Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

mahnte zu unerschütterlicher Glaubenstreue die Anhänger „des reinen Evangels** 
und hinterlie^ auf der anderen Seite durch seinen versöhnenden Schluß doch keine 
Spur von Glaubenshass und Fanatismus. 
Am 18. morgens fanden in verschiedenen Kirchen Erinnerungsfeiern für die 
Jugend statt. In Saarbrücken in der Ludwigskirche fand, angeregt durch Direktor 
Meinardus, um 10 TT Uhr ein Gcdächtnisgottesdienst für die Schüler und 
Schülerinnen der höheren und Mittelschulen statt, an der auch die älteren Jahr¬ 
gänge der Alt-Saarbrücker Volksschulen teilnahmen. Nur unter Ausnutzung des 
lebten Platzes gelang es, die großen Sdiaren der evangelischen Jugend, die von 
allen Seiten anrücktcn, in der Kirche unterzubringen. Der Gottesdienst, der 
von Pfarrer Ebeling gehalten wurde, hat den ¡ugendlidien Teilnehmern, wie zu 
hoffen ist, einen Eindruck der Bedeutung des Wormser Tages fürs Leben mit- 
gegeben. Neben zwei Deklamationen — C. F. Meyers „Lutherlied*' und Theodor 
Körners „Luthers Gang in den Reichstag** — und der Aufführung einer Luther¬ 
festspielszene durch Oberprimaner der Oberrealsdrule, wirkte das Saarbrücker 
Soloquartett für Kirchengesang, ein Mäddrcndior unter Leitung von Frl. Anne 
Müller und ein von Musikdirektor Hogrebc dirigierter Chor des Auguste-Viktoria- 
Lyzeums und Oberlyzeums mit. Es war ein herzerbebender Anblick und Ein¬ 
druck, eine so gewaltige Menge protestantischer Jugend mit ihren Lehrern und 
Lehrerinnen in dem herrlichen Gotteshaus versammelt zu sehen und aus 2000 
jugendlichen Kehlen die evangelischen Choräle singen zu hören. 
Den Höhepunkt erreichte die Feier am Abend des Erinnerungstagcs (18.). ln 
Burbach, in Malstatt, in St. Johann waren die Kirdicn viel zu klein, um allen 
Festteilnehmern Plah zu gewähren. Das gleiche war in Alt-Saarbrücken der 
Fall. Während von St. Johann die Tone der neuen Glocken gewaltig über die 
Stadt hinschallten, hatten die Plattform der Ludwigskirche in der Dämmerung 
des Abends 16 Bläser unter Leitung des Obermusikmeistcrs Schulz erstiegen 
und Hessen über die Häuser und Dächer der Stadt in gewaltigen Akkorden 
das Lutherlied „Ein' feste Burg ist unser Gott** und „Nun danket alle Gott** 
erschallen, überall öffneten sich die Türen und Fenster, und weit hinauf zu 
den Höhen des Triller wurden die Menschen daran erinnert, dass heute des 
herrlichsten Bekenntnisses zur Gewissens- und Glaubensfreiheit gedacht wurde, 
das je einer auf deutschem Boden abgelegt hat. Von allen Seiten strömten die 
Scharen der Feiernden herbei, so dass die weiten Räume der evangel. Kathe¬ 
drale des Saargebiets, der Ludwigskirche, bald derartig überfüllt wurden, dass 
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