Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Deutsch verstanden, auch zum Theil seine Familie kannten, so 
wurde er zwar von der Verrätherei imb deren Folge, der Guillo¬ 
tine, freigesprochen, da aber die Herrn einmal soweit gegangen 
waren, so wollten sie nicht wieder rückwärts gehen. Jene Schil¬ 
derung in seinem Bries mußte also das Verbrechen ausmachen. Er 
wurde nach Metz geführt und dort in einen Kerker geworfen. 
Gleiches Schicksal hat den Fürstlichen Oberschultheiß Nößler 
von Völklingen betroffen. Voriges Jahr kam ein kleines Detache¬ 
ment Preußischer Husaren nach Völklingen, passirte daselbst die 
Saar und überfiel ein französisches Piguet in dem Lothringischen 
Dorf Rösseln, von welchem es einige niederhieb, einige gefangen 
machte, lind sich dann wieder zurück zog. Diese alte Geschichte 
wurde gegen den Nößler aufgewärmt und ihm auf die lächerlichste 
Art Schuld gegeben, als hätte er diesen Ueberfall veranstaltet, und 
deswegen warf man auch ihn in den Kerker. *) 
Auch der Fürstliche Forstmeister von Schnellenbiel und sein 
Tochtermann, Herr von Boos von Carlsbrunn, sind gefänglich 
eingezogen und nach Forbach gebracht worden. Diese beschuldigt 
man eines Einverständnisses mit Emigrirten aus dem nichtigen 
Grund, weil manche Emigrirte bei ihrer Flucht durch die Gegend 
von Carlsbrunn ihren Weg genommen haben. Letzterer soll eben¬ 
falls bereits nach Metz geführt worden sein. 
Die Aussichten, welche uns diese Vorfälle eröffnen, sind nicht 
sehr angenehm, und es ist wahrscheinlich, daß noch mehrere Deutsche 
dies Schicksal treffen wird, denn es geht ein dumpfes Gerücht 
unter den Franzosen, daß sie durch deutsche Geiseln ihre in Mainz 
eingesperrten Anhänger auf jeden Fall sicher setzen wollen. 
Und wo könnten sie solche leichter und mit weniger Kosten 
aufgreifen als bei uns? Ein Gedanke, welcher Schaudert! erregt, 
*) Seine Frau sollicitirte heftig und lang seine Befreiung. Ein red¬ 
licher französischer Richter in Metz sagte ihr bestimmt solches zu unterlassen: 
Frei kann er nicht werden ohne gerichtet zu sein, und dies ist Gericht zum 
Tode, da wir unsrer eignen Köpfe wegen ihn nicht für unschuldig erkennen 
dürfen. Also besser im Gefängnis als auf dem Schaffot. Dabei blieb es 
natürlicher Weise, doch wurde er in der Folge aus seinem Kerker zu dem 
übrigen Geiseln gebracht. A. d. V- 
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