Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

43

aufgetragen  war,  als  Menschenfreund  alle  diejenigen  cassirte,  welche
etwas  gefährliches  für  die  Schreiber  enthielten,  statt  solche  zur  Behörde
  einzuschicken.  Neuerlich  wurde  dieses  Geschäft  einem  andern
übertragen,  welcher  solches  zweckmäßiger  betrieb,  und  ein  armer
Geistlicher  aus  unserm  Lande,  Pfarrer  Rebenack  von  Carlsbrunn,
empfand  die  Wirkung  davon  auf  eine  schreckliche  Art.
Dieser  hatte  einen  Erbschastsprozeß  jenseit  Rheins  in  Runkel
und  schrieb  deswegen  an  seinen  Sachwalter  in  Limburg,  welchem
er  einen  Stammbaum  überschickte,  sich  auch  dabei  auf  eine  freilich
ziemlich  unbesonnene  Weise  über  jene  von  den  sechszehen  Wurmserischen
  Husaren  in  Homburg  angestellte  Hasenjagd  lustig  machte.
Vermuthlich  machte  der  Name  der  Stadt  Limburg,  welche  als  ein
repaire  des  emigres  bei  den  Republikanern  in  gar  ungeneigtem
Andenken  sieht,  den  Brief-Inquisitor  aufmerksam,  er  öffnete  den
Brief,  fand  einen  Plan  von  dem  Lager,  welches  die  Franzosen
seit  einiger  Zeit  bei  Forbach  bezogen  haben,  ahnete  Verrätherei
und  schickte  in  aller  Eile  den  Brief,  den  er  nicht  lesen  konnte,
samt  dem  Corpas  delicti  ins  Hauptquartier  nach  Forbach.  Schnell
wurde  da  die  Grensd’armerie  nationale  aufgeboten  den  verrütherischen
  Pfarrer  noch  in  der  Nacht  abzuholen,  dies  geschah,  und  er
wurde  in  ein  Gefängnis  geworfen.  Bei  dem  von  der  Municipalität
  lmd  einigen  militärischen  Beisitzern  veranstalteten  Verhör  demonstrirte
  der  unglückliche  Gefangene  zwar,  daß  die  Einlage  seines
Briefes  kein  Plan  des  Forbacher  Lagers  sondern  ein  Stammbaum
sei,  daß  die  krummen  Linien,  die  Zirkel,  die  Dreiecke  keine  halben
Monde,  Horn  und  Spitzwerke  und  Kanonen  bedeuteten,  sondern
seine  lieben  Onkels,  Tauten  und  Vettern,  und  daß  das  doppelte
Kreuz  nicht  die  Forbacher  Cappelle,  sondern  den  seligen  Erblasser,
weiland  Sr.  Wohlehrwürdeu  Hrn  Pfarrer  Stangasser  in  Schuppach
  vorstelle,  daß  endlich,  was  für  eine  Bemerkung  der  Vorposten
des  Lagers  angesehen  werden  wolle,  er  selbst  mit  seinen  lieben
Brüdern  und  Schwestern  sei.  Da  die  Inquisitoren  zum  Glück
was  ich  lieber  will,  ein  Beweis,  wie  sehr  jetzt  in  Frankreich  Schandthaten  selbst
dem  ehrlichen  Mann  durch  die  allgewaltige  Furcht  vor  der  Guillotine  abgedrungen
  werden.

Anmerk,  des  Vers.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.