Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Dreizeheilter  ßrttf.
S.  den  6.  Mai  1793.
Wars  ein  guter  Genius  oder  wars  mein  schlechter  Glaube  an
französische  Redlichkeit,  der  mirs  eingab,  seit  dem  Einmarsch  der
Franzosen  meine  Briefe  an  Sie  und  andere  Freunde  außer  dem
Lande  der  Freiheit  nicht  bei  dem  hiesigen  Postamt  aufzugeben
sondern  solche  durch  einen  Umweg  zu  versenden?  Im  ersten  Fall
bin  ich  ihm  warmen  Dank  schuldig,  und  im  letzteren  darf  ich  mich
des  Namens  eines  Ungläubigen  nicht  schämen,  da  ein  auffallendes
Beispiel  von  französischer  Treulosigkeit  solchen  rechtfertigt.  Gleich
nach  dem  Einmarsch  der  französischen  Truppen  befragte  das  hiesige
Kaiserliche  Postamt  die  Generalität,  wie  es  mit  der  Post  gehalten
werden  sollte,  und  erhielt  die  Weisung  solche  ihren  alten  Gang
unausgesetzt  fortgehen  zu  lassen,  mit  der  heiligsten  Versicherung,
daß  solche  ungekränkt  und  unberührt  bleiben  sollte.  Gleiche  Versicherung
  erhielt  das  Postamt  ans  mehrmalige  nachherige  Anfragen,
welche  es  bei  Veränderungen  der  Generäls  oder  des  Standorts
der  Armeen  für  nöthig  fand.
Dieses  war  aber,  wie  sich  jetzt  gezeigt  hat,  nur  eine  Falle,
die  man  unserer  Einfalt  stellte.  Denn  schon  seit  mehreren  Monaten
  wurden  alle  verdächtig  scheinenden  Briefe  eröffnet.  Wie
solches  geschehen  ist,  und  ob  es  mit  Einverständnis  eines  deutschen
Postmeisters  geschah  oder  ob  die  Postillons  bestochen  waren,  ist
bis  jetzt  noch  ein  Geheimnis;  ohne  einen  der  letzten  Fälle  zu
denken  ist  es  aber  unbegreiflich,  wie  dieses  Geschäft  hätte  verborgen
bleiben  können.
Auch  die  Folgen  davon  bleiben  ans,  theils  weil  die  hiesigen
Einwohner  im  Schreiben  sehr  fürsichtig  waren,  theils  und  hauptsächlich
  aber  deswegen,  weil  der  Offizier*),  dem  das  Briefexamen

*)  Und  dieser  redliche  Mann,  dieser  Menschenfreund,  lieh  in  neuerer
Zeit  seine  Hand  zur  Ausübung  einer  der  abscheulichsten  französischen  Unthaten.
Ein  Beweis,  wie  sehr  das  menschliche  Herz  in  kurzer  Zeit  ausarten  kann,  oder
            
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