Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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er mit seinem Pferd in einem Sumpf stecken blieb, einen solchen 
Eindruck gemacht, daß sie ihre Grundsätze vergaßen, und der Ge¬ 
fangene war nicht weniger und nichts anderes als ein Prinz. 
Glauben Sie nicht, daß nur einige, daß nur gemeine Franzosen 
dieses glaubten, nein, es war allgemeine Meinung, unb selbst die 
Generalität solcher beigethan. Der Gefangene mußte verschiedene 
Verhöre darüber aushalten, wobei man ihn unter den theuersten 
Versprechungen, daß es ihm nicht nachtheilig sein sollte, zum Ge¬ 
ständnis zu bringen suchte. Seine Gefangenschaft dauerte nicht 
lange, indem er gegen fünf Offiziers von der Nationalgarde aus¬ 
gewechselt wurde. 
Während seinem hiesigen Aufenthalt wohnte er im Schloß, 
aß und trank des Fürsten Wein und Brod, wie die französische 
Generalität und ein beträchtlicher Theil der Offiziers auch thut. 
Dem ungeachtet trieb der Commandant Baron von Scheid, der im 
Schloß wohnt und sichs trefflich wohl auf des Fürsten Kosten 
schmecken läßt, die Impertinenz soweit, daß er ihn bei seinem Ab¬ 
schied ernstlich ermahnte, bei seiner Rückkunft zu den Deutschen 
die erhaltene gute Behandlung von Seiten der Nation und wie 
gut sie ihn logirt und bewirthet habe, gebührend zu rühmen. Der 
Gefangene versprachs und dankte zugleich für die erhaltene Be¬ 
lehrung, durch welche er eben erst erfahren, daß, was er dem 
Fürsten verdanken zu müssen geglaubt habe, eine Wohlthat der 
Nation gewesen sei. Und die Lacher waren nicht auf der Seite 
des Citoyen eidevant von Scheid. Bubenstücke bleiben nicht un¬ 
gestraft, sollten auch selbst Franzosen die Vollzieher des Strafge¬ 
richts sein. 
Der Ihnen aus meinen vorigen Briefen bekannte hiesige Un¬ 
terthan Cron, welcher uns so viele Unruhe verursachte, hat nun 
auch seine Strafe ad interim wenigstens erhalten. Er hatte sich 
seit dem französischen Einmarsch das Prädieat als Oberst beigelegt 
und wollte ein Corps auwerben, das er aber nur auf sechszehen 
Mann brachte. Bei dem Marsch des Landremontschen Corps ins 
Zweibrückische erwachte sein Heldenmnth, er wurde thatenhungrig 
und marschierte mit. Kaum drei Stunden bis in die Gegend von 
Blieskastel konnte er seine Tapferkeit bezähmen, die aber bei ihm
	        

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