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Beilage B. (zu S. 217).
Die Hinrichtung von Lohmüller und Huppert.
Chr. Fr. Handel, damals Primaner in Saarbrücken, Sohn des Pfarrers
in St. Arnual erzählt: Auch das eigentliche Schreckenssystem kehrte in Saarbrücken
ein; ein Revolutis ns tribunal wurde errichtet und der entsetzliche
Grundsatz geltend gemacht, daß, wenn vier Zeugen gegen Jemanden aufträten,
er dem Gesetze verfallen sei. Das Loos traf die beiden rechtlichsten und wohlhabendsten
Männer aus den beiden Filialdörfern meines Vaters, die Meyeraus
Güdingen und Bübingen, wo während der vorbeschriebenen sieben
Wochen preußische Einquartierung gelegen hatte, Männer, die auch ich wegen
ihrer Freundlichkeit und Gastfreundschaft herzlich liebte. Vier Subjekte vom
uiedrigsten Pöbel vereinigten sich zu der Anklage: sie hätten während der preußischen
Occupation den guten Patrioten mehr Lasten aufgelegt, als den Aristokraten;
und sie wurden gefänglich eingezogen und nach Saarbrücken gebracht.
Der bekannte (Bluth und) Ehrmann verhörte sie, sie thaten ihre völlige
Unschuld dar, und auf ihre und ihrer jammernden Frauen Frage: ob man sie
denn nun nicht ihrer Haft entlassen würde? ward ihnen die Antwort, sie würden
am folgenden Tage frei werden. Wohlgemuth trat ich früh meine Wanderung
nach Saarbrücken an, und wir saßen ruhig bei unserm geliebten Professor
Kiefer und lasen eben den Livius, als wir gegen 10 Uhr ein ungewöhnliches
Wagengcrassel von der Obcrgasse her vernahmen. Wir wurden unruhig, und
unser Kiefer erlaubte uns gern, sehen zu gehen, was das sei. Wir liefen
nach der Obergassc hinauf und erblickten in der Ferne ein schon vorbeipassirtes
Gerüst mit zwei hoch hervorragenden Balken, zwischen denen wir, als wir näherkamen,
oben ein großes, schiefgehendes Hackmesser erkannten; es war die Guillo -
tiñe (die sogenannte guillotine ambulante), umgeben von 40 Mann von der
Revolutionsarmee. Kaum war das Mordinstrnment vor dem Schloßplätze aufgestellt,
als der Ausrufer erschien und öffentlich durch alle Straßen der Stadt
bekannt machte: die beiden Meyer von Güdingen und Bübingen würden
um 11 Uhr guillotinirt werden. Wie ein Donnerschlag traf dieser Ruf mein
Herz; ich stand da wie betäubt und zermalmt, bis mit dem Glockenschlage eilf
die beiden Männer, denen man noch jetzt beim Herausführen aus dem Gefängnisse
vorgelogen hatte, fie würden nun frei werden, herbeigeführt wurden.
„Ach Gott, sollen wir denn sterben?" rief händeringend einer der Unglücklichen
mit der mir so wohlbekannten Stimme. Aber unweit der Guillotine hielt schon
der blutbefleckte Ehr mann zu Pferde mit einer Papierrolle in der Hand, von