Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

13 
Hülfe verschiedener französischer Nationalgarden solchen in der 
Nacht aufgerichtet hatten. Er stehe ruhig, grünen wird er wohl 
nicht, noch weniger Früchte tragen. Auch auf einigen Dörfern 
um die Stadt sind Freiheitsbäume gesetzt worden, wozu ein hiesiger 
Unterthanensohn Namens Cron die Veranlassung gab. Dieser 
vieljährige Taugenichts, bei dem die angeerbte Neuerungssucht in 
teuflische Bosheit, Raub- und Rachsucht ausgeartet war, verließ 
sein Gewerbe als Müller, wovon er sich reichlich nähren konnte, 
zog eine französische Nationalgarden-Uniform an, gab sich selbst 
den Titel als Obrist, der ein Corps für die Republik anwerben 
sollte, und glaubte, daß ihm unter diesem Titel alles zu thun 
erlaubt sei. Er und sein Hauptgehülfe, ein aus einem Schwein- 
hirten-Jungen zum Nationalgarden-Lieutenant avancirter Blitters- 
dorfer Einwohner, durchzogen das Land und suchten die Unter¬ 
thanen zur Reunion mit der Republik anzuwerben. Dies mißrieth, 
nun pflanzten sie Freiheitsbäume und schreckten manchen Dörfern 
für ihre Mühe mehrere Louisd'or ab. In manchen nahmen sie 
mit einigen Gulden vorlieb. Manche zahlten nichts, andere z. B. 
Neuukirchen, erboten sich zur Zahlung in baaren und vollwichtigen 
Prügeln, und die Pflanzer entfernten sich unverrichteter Sache. 
Das arme aber treue Dorf Duttweiler hieb seinen Freiheitsbaum 
alsbald wieder ab, ohne die angedrohte Nationalrache zu fürchten 
und auch zu empfinden. 
Zum Wein, den sich die Freiheitsbaumpflanzer aus ihren 
Sporteln anschaffen konnten, gehörte auch ein guter Braten. Cron 
sucht' ihn in der Fasanerie und dem Park des Fürsten, erlegte 
Wild und Fasanen. Allein die Jäger des Fürsten mißkannten die 
neue Jagdfreiheit, erjagten ihn selbst, prügelten ihn derb ab und 
lieferten ihn ins Gefängnis. Wäre er bei dieser Verhaftung todt 
geblieben, so war er vergessen und für die Gesellschaft wars Vor¬ 
theil diesen Bösewicht aus ihrer Mitte entfernt zu sehen. So 
aber, da er lebte, war die Ehre seiner saubern Kumpane dabei 
iuteressirt ihn zu retten und zu rächen. Und leider mußte man, 
durch die Gewalt der Umstände gezwungen, der Demüthigung sich 
unterwerfen, daß ein Trupp derselben seine Freiheit mit Drohungen 
forderte und erhielt, und daß ihm noch überdies für Schläge und
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.