Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

260

Dazu  die  nur  zu  gegründete  Furcht  eines  noch  härtern  Looses  in  dem
Augenblicke  jener  Veränderung,  Plünderung,  Brand,  Tod  oder  Gefängnis.
  Dieses  letzte  Wort  erinnert  mich  an  unsre  zu  Metz  iu
der  Gefangenschaft  befindlichen  Freunde,  von  welchen  ich  Sie  noch
ein  wenig  unterhalten  muß,  da  ich  überzeugt  bin,  daß  Sie  warmen
Antheil  an  ihrem  Schicksal  nehmen.
Im  Anfang  war  ihr  Schicksal  leidlich.  Ihnen  wurden  9  Livres
zu  ihrem  täglichen  Unterhalt  ausgesetzt  und  mit  der  Hoffnung
baldiger  Befreiung  geschmeichelt,  welche  auch  bei  ihnen  desto  großer
war,  da  selbst  die  Commissärs  Commerell  und  Consorten,  freilich
durch  sehr  vollwichtige  Gründe  bewogen,  sogar  auch  die  Departements-Administratoren
  Purnot  und  Rolland  in  ihrem  Rapport  auf  solche
angetragen  hatten.  Allein  diese  Hoffnung  wurde,  wie  ich  Ihnen
zu  seiner  Zeit  gemeldet  habe,  durch  eine  Kabale  des  Potoki  von
den  Repräsentanten  vereitelt.  Außer  dem  Verlust  dieser  Hoffnung
erlitten  sie  noch  einen  weitern  an  ihren  Unterhaltsgeldern,  welche
von  9  auf  5,  und  in  der  letzter»  Zeit  gar  auf  3  Livres  in  Assignaten,
herabgesetzt  wurden,  mit  welchen  sie  gegenwärtig  nicht  ihr  tägliches  Brod,
Brod  allein,  nicht  nach  D.  Luthers  Auslegung,  bezahlen  können.  Damit
  müssen  sie  sich  alle  ohne  Unterschied  begnügen.  Selbst  die  Frau
Erbprinzessin  bekommt  nicht  mehr,  welche,  wie  ich  hier  bemerken
will,  niemals  die  ihr  in  den  Proclamationen  ausgeworfenen  1000
Livres  monatlich,  so  wenig  als  die  Bedienten  ihre  rückständige  Besoldung,
  ausbezahlt  erhalten  hat.  Und  die  armen  Geiseln  waren
dabei  in  beständiger  Gefahr  von  dem  wüthenden  Pöbel  ermordet
oder  solchem  von  der  sogenannten  Justiz  zu  einem  revolutionären
Schauspiel  gegeben  oder  in  das  Innere  von  Frankreich  geschleppt
zu  werden.  In  der  letzter»  Zeit  ist  ihre  Gefahr,  und  zwar  durch
schändliche  Deutsche,  vermehrt  worden.  Die  nach  Frankreich  gewanderten
  Deutschen  werden  mit  großem  Kaltsinn  und  Verachtung,
dem  gewöhnlichen  Lohn  der  Verrätherei  und  Untreue,  von  den
Franzosen  behandelt;  und  wann  solche  ehemals  glaubten,  daß  diese
sich  ihrer  Freunde,  der  in  deutscher  Gefangenschaft  befindlichen
Mainzer  und  übrigen  pfälzischen  Revolutions-Lichter,  aufs  äußerste
annehmen  und  ihnen  ihre  Freiheit  verschaffen  würden,  so  fanden
sie  sich  jetzt  gänzlich  betrogen,  da  die  Franzosen  nicht  einen  Schritt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.