Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Was  wir  bei  der  Hinrichtung  unsrer  armen  Mitbürger  vermutheten,
  ist  erfolgt.  Schon  am  14  ten  wurde  dem  Magistrat  bei
seinem  Kopf  befohlen  den  Ueberrest  der  an  der  Million  noch  fehlenden
  Summe,  welche  ohngefähr  160  000  Livres  betrug,  beizuschaffen.
Da  der  reichere  Theil  der  Kaufleute  bei  der  erstern  Zahlung  nicht
verhältnismäßig  mit  ihrem  Vermögen  beigetragen  und  dieses  Murren
unter  der  niedern  Bürgerschaft  erregt  hatte,  so  wagte  es  der  Magistrat
nicht  dieser  nochmals  einen  Beitrag  anzusinnen,  sondern  er  theilte
diese  Summe  auf  die  Reichsten  verhältnismäßig  aus  und  überließ
ihnen  die  Gelder  aufzufinden.  Die  Guillotine  hatte  auch  fo  viel
gewirkt,  daß  solche  in  wenig  Tagen  beigebracht  wurden.
Daß  die  Franzosen  an  Hemden,  Schuh  und  Strümpfen,  besonders
  au  Hosen  Mangel  litten,  hatten  wir  oft  mit  leibhaftigen
Augen  gesehen,  ohne  daß  dieser  Mangel  unser  Mitleid  erregt  oder
uns  solchem  abzuhelfen  angereizt  hätte.  Ehrmann  hat  uns  aber
für  unsre  Hartherzigkeit  gestraft,  und  was  wir  nicht  gutwillig  geben
wollten,  mußten  wir  geben.  Am  20sten  wurden  wir  bei
Strafe  militärischer  Schuh-,  Strümps-  und  Hosenvisitation  aufgefordert
  alles,  was  wir  entbehrliches  von  diesen  Kleidungsstücken
besäßen,  auf  das  Rathhaus  abzuliefern,  womit  die  Vertheidiger  der
Freiheit  bei  der  kalten  Witterung  beschuht,  bestrümpft  und  behoset
werden  sollten.  Es  wurde  befolgt,  und  die  Lieferung  war  sehr
beträchtlich,  besonders  waren  die  Weiber  mit  alten  Hosen  freigebig,
welches  man  als  einen  Beweis  annehmen  kann,  daß  wenigstens  ihre
Schamhaftigkeit  nicht  revolutionirt  worden  ist.*)
Dem  unbärtigen  Criminalrichter  le  Vasseur  wurde  aufgebunden,
daß  er  in  St.  Johann  nicht  sicher  wäre,  sondern  daselbst  leicht  von
den  Deutschen,  welche  ihm  wegen  der  Ermordung  des  Lohmüllers
und  Hupperts  den  Tod  geschworen  hätten,  aufgehoben  werden  könne;
und  was  glauben  Sie,  daß  der  Bube  that?  Nach  Saarbrücken
gezogen  fein!  das  wäre  wohl  das  leichteste  und  natürlichste  gewesen.
Nein!  er  machte  den  Braven,  legte  seine  Pistolen  und  Säbel  parat
und  wachte  eine  ganze  Nacht  unter  Furcht  und  Schrecken.  Allein
*)  Die  bedürftigen  Soldaten  erhielten  diese  Steuer  nicht,  welchen  wir  sie
gerne  gcgönnet  hätten;  sondern  die  Commissärs  ließen  die  besten  Hemden  und
Kleidungsstücke  in  Forbach  versteigern  und  steckten  das  Geld  in  ihren  Diebsseckel.
            
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