225
schnitten, die Moselarmee nach dem erlittenen Verlust, ohne Muth,
ohne Artillerie, ohne Munition und ohne Brod war, so gaben sie
Landau und Elsaß und den an der Saar liegenden Theil von
Lothringen völlig verloren. Dies zeigten sie nicht nur in Worten
sondern in Thaten. In Saargemünd und den umliegenden zur
Republik gehörigen Ortschaften, wo die Armee lagerte, wurden alle
Lebensmittel und Getränke dem Soldaten Preis gegeben, alle Tuchund
Lederwaaren u. s. w. den Einwohnern abgenommen und denselben
bedeutet, daß es besser sei, daß die Soldaten der
Republik als dieFeinde solche genössen. Noch mehr: die
Hausväter wurden vor die Municipalitäten beschiedeu und ihnen
eröffnet, daß, da leider diese Gegend vom Feind occupirt werden
würde, jeder derselben die Vorsicht gebrauchen möchte
seine besten Effecten von der Grenze weg weiter nach
Frankreich zu transportiren, eine Ankündigung, die verschiedene
Gemüthsbewegungen erregte, bei einigen Traurigkeit, aber
bei dem bei weitem größten Theil, welcher des Drucks, der unaufhörlichen
Räubereien und des Guillotinirens herzlich müde war,
Freude. Ein Sonnenblick bestrahlte die Armee unter diesen trüben
Aussichten, die Wiedererlangung ihrer Artillerie. Ich habe Ihnen
in meinem vorigen Brief geschrieben, daß die Franzosen solche verloren
zu haben glaubten und daß als Beweis ihres Verlusts die
Artilleriepferde mit abgeschnittenen Strängen hier angekommen
waren. Die Franzosen hatten solche zwischen Kübelberg und
Waldmohr einige Stunden vom Schlachtfeld stehen lassen. Dort
stund solche beinahe zwei Tage lang. Von den zurückgebliebenen
Chasseurs äe Rtieims wollte keiner aus Furcht den deutschen
Husaren in die Hände zu fallen, so sehr sie ihr Commandant darzu
aufnulnterte, auf Recognoscirung ausgehen. Sie begnügten sich
damit auf hohe Bäume zu klettern und von solchen zu recognosciren
um beim Anblick eines Preußen der Armee nachzufolgen.
Endlich gesellten sich einige Chasseurs ä cheval, welche in die
Wälder geflüchtet waren, zu ihnen; diese verstunden sich dazu die
Gegend zu untersuchen und fanden die Kanonen und Munitionswagen
unberührt an der Stelle, wo sie die Franzosen gelassen
hatten. Der Commandant meldete es ins Hauptquartier. Nach
15