Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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scheu  zeigen  unsre  Geberden,  und  wir  sind  in  eine  Art  von  Unempfindlichkeit
  hingesunken,  welche  näher  an  Nichtsein  als  an  Leben
grenzt.  Selbst  Ihr  Freund,  der  bisher  seinem  Vorsatz  sich  durch
nichts,  was  von  den  Franzosen  verhängt  wurde,  beugen  zu  lassen
mit  Standhaftigkeit  treu  blieb,  ward  eine  Stunde  lang  aus  seinem
Gleise  geworfen  und  einer  Empfindung  zum  Raub,  die  desto
stärker  war,  je  mehrere  Leidenschaften  dabei  mitwirkten.  Also
hängen  nicht  wie  bisher  unsre  Güter  allein,  nein  auch  unser  Leben,
von  dem  Wink  eines  Schurken  ab?  Also  kann  ein  meineidiger
Bube  mich  aufs  Blutgerüste  bringen,  mich  durch  einen  blutigen
Tod  von  meinen  Freunden  trennen,  diese  Gattin  zur  Wittwe,  diese
geliebten  Kinder,  deren  Erhaltung  mit  der  meinigen  beinahe  unzertrennlich
  verbunden  ist,  zu  Waisen  machen  und  sie  dem  Verderben
  weihen?  kann,  was  noch  schrecklicher  ist,  mich  dem  Hohn
blutdürstiger  Bösewichter  blos  stellen,  meine  Unschuld  ihr  Gespött
und  mein^  Verurtheilung  und  Hinrichtung  ihnen  Lustspiel  und
Augenweide  sein  lassen?
Und  so  weit,  mein  Bester,  ist  es  jetzt  mit  uns  gekommen.
Vor  einigen  Stunden  starben  zween  unsrer  Mitbürger,  Jacob  Lohmüller
  und  Nickel  Huppert,  unter  dem  Mordeisen  der  Guillotine,
starben  nicht  wegen  begangenen  Verbrechen,  deren  sie  überwiesen
oder  nur  verdächtigt  waren,  nein!  starben  unschuldig,  wie  Sie,
der  Sie  niemals  Republikaner  gesehen  haben,  heute  sterben
würden.
Ich  will  Ihnen  die  ganze  traurige  Geschichte  dieses  Justizmordes
  hier  ausführlich  mittheilen  und  auf  solche  Art,  wie  es
niemand  anders  thun  kann,  da  außer  mir  nur  noch  ein  deutscher
Mann  lebt,  der  von  dem  ganzen  Vorfall  genau  unterrichtet  ist.*)

*)  Der  F.  N.  S.  Hofrath  und  medicinae  Doctor  Wilkens  in  Saarbrücken,
  da  der  Gram  über  das  Unglück  seiner  Freunde  und  Mitbürger,  den
eignen  Verlust  eines  großen  Theils  seines  Vermögens,  der  Schrecken  bei  dem
Ehrmännischen  Justizmorde  und  die  Anstrengung,  die  er  bei  den  vielen  gefährlichen
  Krankheiten  bei  seinen  Patienten  anwenden  mußte,  seinem  thätigen
Leben  ein  Ende  gemacht  haben,  so  kann  ihm  die  Bekanntmachung  desjenigen,
was  er  mir  anvertraut  hat  und  aus  besondern  Ursachen  anvertrauen  mußte,
nicht  nachtheilig  sein.
            
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