Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

202

aus  ihrer  Brust  verbannt  haben,  dennoch  aufs  äußerste  rührte,
und  als  wir  aufgefordert  wurden,  gaben  wir  den  Räubern  unsrer
Betten  auch  noch  unsre  Strohsäcke,  das  einzige  Lager,  was  manchem
übrig  geblieben  war,  mit  solcher  Bereitwilligkeit  her.  Wir  eilten
so  sehr  diesen  Unglücklichen  ihre  Lage  zu  erleichtern  und  sie  nicht
eine  Stunde  länger  durch  unsre  Schuld  einer  Erquickung  entbehren
zu  lassen,  daß  selbst  Ehrmann,  cul  aes  triplex  circa  pectus,  daß
selbst  Ehrmann,  der  unwürdig  der  Stelle,  die  er  bekleidete,  mit
kaltem  oder  vielleicht  heißem  Blute  den  Räuber  und  Mordbrenner
machte,  davon  gerührt  schien,  unser  Betragen  öffentlich  lobte  und
dabei  gestund,  daß  er  solches  nicht  erwartet  hätte.  Vermuthlich
mochte  ihm  sein  Gewissen  sagen,  daß  die  Franzosen,  und  er  am
wenigsten,  es  nicht  um  uns  verdient  hatten.  Wenn  er  menschliches
Gefühl  hätte,  so  würde  solches  bei  dem  Wehklagen  der  Blessirten
aufgewacht  sein  und  ihm  einen  Theil  seiner  Schandthaten  vorgeworfen
  haben.  Wäre  das  Schloß  nicht  durch  ihn  abgebrannt
worden,  so  Hütten  solche  alle  Raum  und  Bequemlichkeit  in  demselben
  gefunden.  Allein  jetzt  mußten  sie  in  einige  Privathäuser
gelegt  und  auf  engen  Treppen  in  die  zweiten  und  dritten  Stockwerke
  geschleppt  werden,  welches  ihre  Schmerzen  vermehrte.  Viele
starben  unter  lautem  Schmerzgefchrei  unten  den  Händen  derer,  die
sie  trugen.
Am  2  len  mußten  die  Leichtblessirten  nach  Metz  zu  Fuß  abwandern,
  denen  hernach  die  übrigen  minder  gefährlich  Verwundeten
auf  Wagen  nachfolgten,  die  ganz  Gefährlichen  blieben  hier.
Die  Furcht  der  Franzosen  nach  dieser  Affaire  war  unbeschreiblich,
  da  sie  selbst  ihren  Verlust  ungeheuer  groß,  manche  zu
25  000,  die  gemäßigtem  zu  15  000  Mann  angaben  und  sie  jeden
Augenblick  den  Feind  wieder  hier  zu  erblicken  erwarteten.  Die
Nachricht,  daß  ihre  Artillerie  nicht  verloren  sei,  richtete  sie  wieder
ein  wenig  auf.  Deswegen  ging  auch  eine  ungeheure  Anzahl  Wagen,
  welche  im  ganzen  Lothringen  aufgeboten  worden  war  um  in
und  jenseits  Zweibrücken  den  Raub  besonders  an  Früchten  und
Fourage  abzuholen,  hier  durch,  dahin  ab.  Als  aber  diese  am  3ten
in  der  größten  Eile  leer  zurückkehrten  und  die  Nachricht  mitbrachten,
  daß  ein  Theil  derselben  den  Deutschen  in  die  Hände  gefallen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.