Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Dieses  ist  die  Geschichte  der  abscheulichsten  Erpressung,  deren
Wahrheit  ich  Ihnen,  mein  Lieber,  um  deswillen  betheuern  muß,
weil  man  solche  in  der  Folge  zu  entstellen  gesucht  hat.
Da  die  physische  Unmöglichkeit  dem  Ehrmannischen  Befehl  in
gesetzter  Zeit  genug  zu  thun  augenfällig  war,  so  raisonnirte  jedermann,
  Franzosen  und  Eimvohner,  laut  und  leise  über  die  unverkannte
  Ehrmannische  Absicht  durch  unvermeidliche  Strafen  den  Raub
zu  vermehren,  dabei  aber  traf  auch  der  Tadel  der  letzteren  hauptsächlich
  den  Magistrat,  welcher  die  ihm  angesetzte  Strafe  der  Bürgerschaft
  nicht  bekannt  gemacht  hatte.  Wäre  dieses  geschehen,  so  würden
wirksamere  Mittel  zur  Herbeischaffung  des  Geldes  angewendet  worden
sein,  und  die  Bürger  erklärten  frei  heraus,  daß  sie  dereinst  die
als  Strafe  bezahlten  100  000  Livres  in  Rechnung  nicht  passiren,
sondern  solche  dem  Magistrat  ex  propriis  zu  bezahlen  überlassen
würden.  Sei  es  nun,  daß  der  nüchterne  Ehrmann  sich  dessen,  was
der  betrunkene  gethan  hatte,  schämte  oder  daß  der  Magistrat',  wie
man  behauptet,  Mittel  fand  ihn  sich  geneigt  311  machen  und  jene
100  000  Livres  von  sich  abzuwälzen,  genug  am  27sten,  also  3  Tage
nachher,  erschien  ein  vom  24sten  datirter  Schlich  des  Repräsentanten,
von  welchem  ich  Ihnen,  seines  merkwürdigen  Inhalts  wegen,  ein
Exemplar  hier  beilege.  (Beilage  2.)  —  Ich  überlasse  Ihnen  über
den  Inhalt  desselben  zu  glossiren.  Sie  werden  sich  des  Lächelns
nicht  erwehren  können,  wenn  Sie  sehen,  daß  uns  das  Verdienst
beigemessen  wird,  freilich  durch  unsre  Verrätherei,  die  Deutschen
von  dem  Rachschwert  der  Franzosen  gerettet  zu  haben,  und  will
ich  bei  Gelegenheit  Ihnen  solches  melden.  Beim  ersten  Artikel  muß
ich  nur  bemerken,  daß  keine  oder  eine  gänzlich  republikanisch
neumodische  Auswechslung  geschah,  indem  das  Silber  und  Gold
angenommen  und  das  Kupfergeld,  wenigstens  vor  der  Hand,
behalten  wurde.  Beim  zweiten,  daß  die  Summe  in  Assignaten
  niemals  vergütet  wurde.  Beim  3ten,  daß  die  100  000
Livres,  wie  ich  oben  erzählt  habe,  als  Strafe  wirklich,
und  ehe  der  Magistrat  seines  Arrests  entledigt  wurde,  be¬Antheil
  abholten,  sondern  solches  dem  Stadtmagistrat  überließen,  welcher  auch
wirklich  alsbald  mit  so  vielen  Ausgaben  für  Bedürfnisse  der  Franzosen  überhäuft
  wurde,  daß  die  Geldsumme  nicht  hinreichte.

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