Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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solches aus dem Grund nicht behalten wolle, weil die Armen in 
den Städten solches bezahlt hätten, da doch der Wille der Republik 
nicht sei, daß der Arme contribuiren solle; deswegen sollte dem 
Magistrat hiermit befohlen sein diese 23000 Livres Kupfermünze 
bis um 2 Uhr Nachmittags in Silber oder Gold umzuwechseln, 
und wenn solches zur bestimmten Stunde nicht geschehen wäre, sollte 
derselbe in 20 000 Livres Strafe verfallen, auch solcher provisorisch 
an etat (Tarrestation versetzet sein. Dem Magistrat wurde darauf, 
nachdem die in ihren Häusern beim Mittagessen befindlich gewesenen 
Glieder durch Gensd'armes zusammen geholt waren, eine starke 
Wache von diesem Corps gegeben. Derselbe ließ zwar sogleich 
jedermann auffordern sein etwa noch vorräthiges Gold und Silber 
herbeizubringen und gegen Kupfergeld auszuwechseln. Allein wenn 
auch nicht der größte Theil der Einwohner aus Furcht einer Hinter¬ 
list damit angestanden hätte, so wäre doch keine Möglichkeit ge¬ 
wesen in einem solchen kurzen Zeitraum das Gold und Silber, 
noch weniger aber die ungeheure Menge Kupfergeld zu zählen und 
auszuwechseln. Mit dem Schlag 2 wurde angefragt, ob das Geld 
beisammen wäre. Da die Antwort verneinend ausfiel, so wurde 
der Magistrat zu 20 000 Livres Strafe verurtheilt, und ihm zu¬ 
gleich die nämliche Summe für jede Stunde bis zur vollendeten 
Auswechslung angesetzt. Jedermann that sein möglichstes um die 
Summe aufzubringen; solches konnte aber erst um 6 Uhr geschehen. 
Bis dahin waren 100 000 Livres Strafe erwachsen, welche be¬ 
zahlt werden mußten, ehe dem Magistrat die Wache abgenommen 
wurde. Dieser brachte das Geld dem Kriegszahlmeister; dieser nahm 
solches an und declarirte, daß die Republik dennoch das Kupfer¬ 
geld der Armen aus Großmuth nicht verschmähen und sorgen wolle, 
wie es nach Frandkreich gebracht werden könnte. Wir waren also 
um die 100000 Livres Strafe in Assignaten und um die 23 000 
Livres Gold- und Silbergeld geprellt, *) welche erstere wahrscheinlich 
von Ehrmann und Consorten zur Beute gemacht wurden. 
*) Einige Tage nachher wurde zwar die Zurückgabe des Kupfergeldes ver¬ 
ordnet, allein man war so überzeugt, daß die Commissärs solches doch unter 
einem andern Vorwand auspressen würden, daß die wenigsten Bürger ihren
	        

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