Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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denn unsre Armee empfindet es hart, daß die lièvres timiàss nicht 
laufen sondern langsam sich zurückziehen und gar oft dem àsseur 
sehr trotzig ins Gesicht blicken. 
Diese Langsamkeit des Rückzugs gab vielen Gelegenheit ihren 
Hang zum Rauben zu befriedigen. In starken Trupps trennten 
sie sich von der Armee und plünderten, und wenn sie ihre Taschen 
und Ranzen gefüllt hatten, dann war all ihr Muth, all ihre Be¬ 
gierde nach deutschem Blut verschwunden, und sie suchten den Weg 
nach Frankreich um ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Die 
Desertion vermehrte sich hierdurch so stark, daß bei längerer Dauer 
gewiß ein Drittheil der Armee weggelaufen wäre, zumal da sie 
nach gerade anfingen einzusehen, daß die Deutschen nicht bis Berlin 
laufen würden. 
Das Verbot hat diesem Unwesen einigermaßen Einhalt gethan. 
Den Plünderern wird ihr Raub abgenommen und den Eigenthümern, 
wenn sich solche melden und die Effecten nicht immittelst unter den 
Händen der Commissärs verschwunden sind, wieder zugestellt. Die 
Räuber von der hiesigen Garnison werden eingesteckt, die Deserteurs 
von der Armee unter Begleitung zu solcher zurückgeschickt, zu welcher 
auch alle die spedirt werden, welche sich aus Furcht oder aus Raub¬ 
sucht in den Städten versteckt hatten und zurückgeblieben waren. 
Und zur Aufrechthaltung dieses Verbots und der militärischen Zucht 
und Ordnung ist heute eine sogenannte militärische Commission 
errichtet worden. Damit haben nun die Landleute einigermaßen 
Ruhe. Aber auf uns arme Städter hat nun Ehrmann sein Auge 
gewendet und neuen Raub ausgewittert, den er auch auf eine un¬ 
erhörte Weise zu erpressen gewußt hat. 
Bisher waren von der zu bezahlenden Million beinahe 860 000 
Livres zusammengebracht und an die Kriegscasse abbezahlt worden. 
Unter solchen befanden sich ohngefähr 23 000 Livres in französischer 
Kupfermünze, welche sich in den Städten, seit dem die Franzosen 
die Glocken in Münze verwandelten, sehr angehäuft hatte und blos 
durch die Franzoseil in die Städte gebracht worden war. Nun ließ 
Ehrmann am 24 sien Vormittags um 11 Uhr der: Stadtmagistrat 
zu sich fordern, eröffnete ihm, daß die Republik dieses Kupfergeld 
wegen dem beschwerlichen Transport nicht behalten könne, auch 
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