Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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vor. Daß es nicht eher geschehen ist, ist nicht meine Schuld. 
Wenigstens wäre manches deutsches Land alsdann nicht unge¬ 
warnt ein Schauplatz französischer Zügellosigkeiten und Räubereien 
geworden. 
Ob ich nicht die Schreibart hätte verändern und verbessern 
sollen? vielleicht hätte ich's vermocht, obgleich in meinem Vater¬ 
land, wir mit halb gallischen Zungen, uns für Deutsche bekennen, 
und der nördlichere Deutsche uns aus der Sprache nicht erkennt 
und nur dann, wenn er unsere Herzen geprüft hat, als deutsche 
Brüder umarmet. 
Allein noch kann ich das Angenehme, das die Erinnerung an 
überstandene Leiden gewähren soll, nicht empfinden. Noch 
werfe ich aus weiter Entfernung sehnsuchtsvolle Blicke nach meinem 
unglücklichen Vaterlande und beseufze sein und mein verlornes 
Glück. Noch ist jenes, seit drei Jahren ausgesogen und verheert, 
täglich neuen Erpressuugen ausgesetzt. Noch seufzen meine Mit¬ 
bürger unter dem harten fremden Joche, Joch der Freiheit genannt- 
Noch bringt jedes Briefchen, das der französischen Wachsamkeit ent¬ 
schleicht, mir die Nachricht, daß ich des Wiedersehens dieses oder 
jenes meiner theuersten Freunde mich nur in jener Welt erfreuen 
darf. Einen tödtet nach dem andern der Gram, ach! vielleicht 
Mangel und Hunger. Wie konnte ich also lange bei Gegenständen, 
die alle traurigen Empfindungen aufwecken, verweilen? Die 
Herzensgüte meiner Leser wird billigen, daß es nur so lauge ge¬ 
schah, als es die historische Treue meines Merkchens erforderte. 
Diese besitzt es. Das Trauerspiel war voller Handlung, der 
Schauplatz aber nur so groß, daß ihn ein aufmerksamer Beobachter 
übersehen konnte. 
Wo ich nicht Augenzeuge gewesen bin, habe ich alles, was 
einem Freunde der Wahrheit möglich war, angewandt, um Wahr¬ 
heit zu erhalten. 
Wenn dieses erste Bändchen uns der Theilnahme biederer 
Deutschen an unserm harten Schicksal würdig macht, so darf ich 
erwarten, daß solche das zweite, etwas stärkere, welches noch vor 
Pfingsten erscheinen soll, noch vermehren, aber auch den gerechtesten 
Abscheu gegen diejenigen erregen wird, die im Namen eines großen 
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