Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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den  30sten  Oktober.
Seit  einigen  Tagen  sind  unsre  Einquartierten  sehr  scheu  und
mürrisch  gewesen.  Die  Ursache  davon,  welche  zu  errathen  wir  uns
vergeblich  bemühten,  wurde  endlich  bekannt  und  war  nichts  anders
als  ein  neuer  Bubenstreich,  der  die  gefährlichsten  Folgen  für  uns
hätte  haben  können.  Es  wurden  nämlich  in  der  Stadt  Zettel  ausgestreut,
  durch  welche  man  die  Soldaten  benachrichtigte,  daß  die
Einwohner  mit  den  Preußen  in  Verbündung  stünden  und  nichts
geringeres  zur  Absicht  hätten  als  mit  deren  Hülfe  die  Franzosen
sämtlich  zu  ermorden.  Bei  der  Furcht,  welche  bereits  in  den
Franzosen  haust,  und  vielleicht  aus  Ueberzeugung,  daß  die  Art,  wie
sie  uns  behandelt  haben,  uns  zur  Rache  entflammen  könnte,  wurde
diese  Nachricht  von  vielen  für  wahr  angenommen,  zumal  da  die
Galgenphysionomien  mit  ihrer  gewöhnlichen  Thätigkeit  solche  verbreiteten
  und  die  Zweifler  zu  überzeugen  suchten.  Unser  Schutzgeist
  verhütete,  daß  diese  Nachricht  die  Franzosen  nicht  im  ersten
Augenblick  zur  Wuth  brachte  und  daß  es  den  Einwohnern  und
den  bessergesinnten  Franzosen  gelang  den  übrigen  das  Widersinnige
und  Verläumderische  dieser  Nachricht  vor  Augen  zu  legen  und  ihre
Aufwallungen  zu  dämpfen,  so  daß  der  abscheuliche  Endzweck,  der
dadurch  erreicht  werden  sollte,  vereitelt  wurde.  Ueber  diesen  ist
nur  eine  Stimme,  über  die  Urheber  sind  die  Meinungen  getheilt.
Einige  halten  hiesige  boshafte  Einwohner  dafür,  andre  Franzosen,
und  es  würde  schwerer  sein  für  diese  oder  jene  zu  unterscheiden,
wenn  die  Anzahl  jener  deutschen  Bösewichter  beträchtlicher  wäre.
Freilich  sind  solches  Leute,  welche  kein  Vermögen  haben  und  welche
voraussehen,  daß  sie  bei  einer  andern  Wendung  unsers  Schicksals
ihr  Vaterland  ohne  Hoffnung  der  Rückkehr  verlassen  müßten,  daß
ihnen  also  daran  gelegen  sein  muß  nicht  mit  leeren  Händen  abzuziehen.
  Und  welche  Aussicht  haben  sie  sich  zu  bereichern  als  eine
Plünderung?  Allein  wegen  ihrer  kleinen  Anzahl  und  weil  sie  bei
einer  solchen  Operation  auf  allen  Fall  den  Franzosen  nachstehen,
auch  zuverlässig  erwarten  müßten  die  Opfer  der  Rache  ihrer  zur
Verzweiflung  gebrachten  Mitbürger  zu  werden,  scheint  es  wahrscheinlicher,
  daß  die  Nachricht  durch  Franzosen  verbreitet  worden
            
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