Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

155

Kirche  waren.  Diese  Raubspekulation  war  allzuwohl  gelungen  als
daß  die  Repräsentanten  es  dabei  bewenden  und  uns  wenigstens
auf  eine  kurze  Zeit  hätten  in  Ruhe  und  dem  Nachdenken  über
unser  Elend  ungestört  überlassen  sollen.
Schon  um  Mitternacht  wurde  bekannt  gemacht,  daß  wir  vor
5  Uhr  Nachmittags  bei  Vermeidung  militärischer  Haussuchung  und
Strafe  1000  Stück  Matratzen  und  Decken  abliefern  sollten.  Nun
ging  das  Wehklagen  bei  dem  weiblichen  Geschlecht  an.  Was  verfing
  das  aber  bei  diesen  Tyrannen!  Es  mußte  geliefert  sein.  Mancher
  ärmere  Bürger  gab  sein  einziges  Bette,  mancher  Kranke  wurde
aufs  Stroh  geworfen  und  fühlte  seine  Schmerzen  doppelt.  Manche
Kindbetterin  kroch  mit  ihrem  Säugling  auf  dem  harten  Boden
herum  und  bedeckte  sich  mit  Kleidungsstücken.  Manche  Schwangere
gab  ihr  weniges  Bettwerk  und  hatte  nicht  einmal  Stroh  zum
Lager  in  der  erwarteten  schmerzhaften  Stunde  der  Geburt.  Um
6  Uhr  war  das  Verlangte  geliefert.  So  sehr  beschleunigt  die
Furcht  die  Trennung,  selbst  von  den  unentbehrlichsten  Bedürfnisstücken.
Auch  mich  traf  diese  Lieferung  mit  einem  Werth  von  4
Louisd'or,  ein  Verlust,  der  mir  einigermaßen  dadurch  vermindert
wurde,  daß  ich  dabei  eine  edle  Handlung  eines  Franzosen  gewann.
Mein  Einquartierter,  ein  sehr  vornehmer  Officier,  hörte  die  Bekanntmachung.
  Stillschweigend  ließ  er  durch  seinen  Bedienten  die
Matratze  aus  dem  Bette,  das  ich  ihm  eingeräumt  hatte,"  werfen,
rief  mich  dann  und  sagte  mir  mit  Wehmuth:  Ich  kann  diese  Erpressung
  nicht  von  Ihnen  abwenden,  aber  noch  jetzt  sollen  Sie  mit
Ihrer  Gattin  und  Kindern  nicht  auf  Stroh  liegen,  zuerst  ist  die
Reihe  an  mir.  Zum  Glück  konnte  ich  die  französische  Raubgierde
befriedigen  ohne  mich  und  ihn  aufs  Stroh  zu  betten.
Von  Kriegsvorfällen  nichts  als  daß  deutsche  Soldaten  heute
einen  französischen  Ochsen  auf  den  St.  Arnualer  Wiesen  tapfer
erschossen  haben  und  daß  es  Abends  in  dem  Komödienhaus  brannte;
das  Feuer  wurde  aber  in  der  Geschwindigkeit  gelöscht  und  damit
die  Absicht  der  Repräsentanten  den  Fleiß  unsre  Geldbeutel  auszuleeren,
  anzufeuern  vereitelt.  Denn  es  ist  kein  Zweifel,  daß  das
Feuer  vorsätzlich  angelegt  wurde,  ob  die  Franzosen  solches  gleich,
da  es  fehlgeschlagen  war,  von  sich  ablehnen  wollten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.