Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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mit Kanonen auf die Gebäude am Ludwigsberg. So viel mau 
weiß, ist kein Blut vergossen worden. 
Eine Veränderung ist mit dem Militair, welches in St. Jo¬ 
hann liegt, vorgegangen. Solches hieß bisher Arrieregarde, heute 
wurde dasselbe feierlich auf der Parade zur Avantgarde erklärt, 
und General Vincent ist ohne einen Fuß zu verrücken vom 
Schwanz an den Kopf gesetzt. Ein Beweis, daß wir jetzt hier 
wieder im Offensivkrieg mit ben Deutschen leben. 
den 7. October um Mitternacht. 
Dieser Tag war für mich und alle hiesigen Einwohner ein 
Tag des Schreckens und der bangsten Sorgen. Sie sind noch 
nicht verschwunden und lassen uns nicht an den Schlaf, das einzige, 
was noch zu unserer Erholung übrig ist, denken. Deswegen 
will ich zu dieser ungewöhnlichen Stunde mein Tagbuch für Sie, 
mein theurer, mein glücklicherer Freund, fortsetzen. 
Diesen Vormittag zog ein Trupp Kanoniers, zu welchen sich 
noch ein starker Haufen Tirailleurs und ohnbehosetes Gesindel mit 
Galgenphysionomien gesellet hatte, aus der Stadt gegen den Lud¬ 
wigsberg. Da solche mit Pechkränzen, Stroh und andern feuer¬ 
fangenden Materien beladen waren, so konnten wir ihre Absicht 
errathen, ehe die vom Ludwigsberg auflodernden Flammen uns 
von solcher belehrten. In einem kurzen Zeitraum waren alle 
Gebäude, das Schloß, die Orangerie, die Ställe, die Wohnungen 
der Bedienten, des Verwalters, der Gärtner, der Jäger, die Fa¬ 
sanerie, das reizende Dörfchen Schönthal, hundert reizende und 
kostbare Anlagen, alles angesteckt und lag nach einigen Stunden 
in der Asche. 
Nachdem alles in vollem Brand war, zogen die schändlichen 
Verheerer, welche bei ihrer einige Stunden dauernden Brennerei 
auch nicht durch einen Musquetenschuß von den keine tausend 
Schritte entfernt liegenden Deutschen beunruhigt worden waren, 
siegprangend und unter dem lauten Gebrüll: vive la république! 
in die Stadt zurück, und wir sahen mit nassen Augen nach ben
	        

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