Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

135

zurück.  Nur  ein  Husar  von  Golz  blieb,  und  ein  preußischer  Dragoner
  wurde  schwer  verwundet  unter  großem  Zulauf  gefangen  eingebracht.
  Vincent  zog  in  der  Meinung  die  Deutschen  geschlagen
zu  haben  siegprangend  ein.  Die  Volontairs,  welche  mit  Zittern
lind  Zagen  an  den  Thoren  unter  dem  Gewehr  gestanden  hatten,
legten  solches,  nachdem  sie  eine  Freudensalve  gegeben  hatten,  beiseite
  und  langten  ihr  vergessenes  Frühstück  aus  den  Tornistern.
Aber  die  armen  Tröpfe  konnten  es  nicht  in  Ruhe  verzehren,  denn
bald  ließen  sich  auch  die  Kanonen  hören,  welche  die  Deutschen  am
Schwarzenberg  und  an  der  alten  Duttweiler  Chaussee  in  der  Stille
aufgepflanzt  hatten  und  welchen  die  Franzosen  mit  einigen  an  der
Ziegelhütte  postirten  Feldstücken  antworteten.
Diese  geräuschvolle  Unterhaltung  dauerte  einige  Stunden.
Plötzlich  aber  fing  eine  auf  einer  Anhöhe  an  der  neuen  Duttweiler
Chaussee  errichtete,  von  den  Franzosen  unbemerkt  gebliebene  Batterie
an,  den  Tod  in  die  stark  besetzte  Mühlenberger  Schanze  zu  schleudern.
So  viele  Köpfe  so  viele  Sinne,  heißt  es  sonst,  aber  hier  waren
mehr  als  tausend  Köpfe  eines  Sinnes.  In  weniger  als  drei  Minuten
war  die  Schanze  völlig  verlassen,  und  die  Franzosen  liefen,  sprangen,
fielen  und  purzelten  den  steilen  Berge  hinab,  welches  bei  uns,  die
wir  aus  unsern  Dachfenstern  zusahen,  kein  geringes  Erstaunen
erregte.  Auf  der  Chaussee  an  der  Sägmühle  hielten  sie  in  ihrem
Lauf  iime  und  suchten  sich  zu  rangiren.  Allein  eine  zweite  Salve
zerstäubte  sie  wie  Spreu.  Das  erschütternde:  Nons  serons  coupes!
ließ  sich  von  allen  Seiten  hören.  Nun  erscholl  das  Sauve  qui
peut!  aus  jedem  Munde,  und  damit  waren  alle  Füße  in  der
schnellsten  Bewegung  nach  St.  Johann  zu  und  von  da  über  die
Brücke  nach  Saarbrücken.  Ihren  Vortrab  machte  ein  buntes  unzählbares
  Heer  von  Commissärs  und  anderem  Gesindel,  welches
Morgens  schon  einmal  trostlos  von  seinen  Fleischtöpfen  weggestohen,
dann  aber  wieder  zurückgekehret  war  um  solche  auszuleeren,  und
jetzt  hungriger  und  trostloser  zum  zweitenmal  solche  verlassen  mußte.
Die  30  Mann  starke  Wache  am  untern  Thor  von  St.  Johann
lief  mit  Hinterlassung  ihres  Gewehrs  imb  ihrer  Tornister  in  vollem
Galopp  davon.  Ihr  Commandeur  war  am  ersten  unsichtbar  geworden.

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.