Full text : Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

93

und  ben  Steigregistern  an  ben  Fürsten  und  an  die  in  seine  Stelle
getretene  Republik  schuldig.  Also  liefert!  und  dies  mußte  denn
auch  geschehen.
Bisher  war  das  Stift  Arnual,  aus  welchem  die  Geistlichen
und  Schullehrer  besoldet  werden,  noch  verschont  geblieben.  Die
vorigen  Commissärs  hatten  die  heiligste  Versicherung  ertheilet,  daß
solches  unberührt  bleiben  sollte.  Aber  dem  Citoyen  Archier  ist
nichts  zu  heilig.  Auch  die  Stiftszehenden,  worin  dessen  meiste
Einkünfte  bestehen,  mußten  abgeliefert  werden.  Die  Geistlichen
und  Schulmeister,  welche  bereits  auf  ihre  Besoldung  zu  ihrer  Subsistenz
  etwas  Frucht  erhalten  hatten,  mußten  solche  zurück  liefern
und  was  gegessen  war,  kaufen  um  die  Quantität  wieder  zu  ergänzen.
  Und  gleiches  Schicksal  betraf  die  im  Stifte  vorräthigen
Früchte.  Ein  Untereommisfär  des  Archier  hielt  es  nicht  unter
der  republikanischen  Würde  heimlich  durch  ein  Fenster  im  Stiftsgebäude
  einzusteigen  und  den  Fruchtvorrath  auszukundschaften.  Da
die  Franzosen  einen  Theil  ihrer  Glocken  zu  Kanonen  und  Münzen
umschmelzen,  so  war  nicht  zu  erwarten,  daß  die  unsrigen  verschont
blieben.  Sie  haben  auch  solche  sämtlich  in  allen  Stadtkirchen  und
in  der  Stiftskirche  gii  Arnual  weggenommen  und  nach  Metz  gebracht.
Anfangs  waren  sie  auf  vieles  Bitten  wohl  geneigt  uns  in  jeder
Stadt  eine  zu  lassen.  Allein  der  Repräsentant  Ehrmann  kletterte
selbst  auf  die  Kirchenthürme,  fand  die  Glocken  schwer  und  von
gutem  Metall,  und  nun  erst  gefährlich,  weil  wir  den  Deutschen
Zeichen  damit  geben  könnten.  Also  reisten  auch  diese  in  den
großen  Nationalschlund,  und  wir  sind  jetzt  ohne  Glocken  und  ohne
Uhr  und  ohne  zu  wissen,  in  welcher  Stunde  wir  leben,  da  die
Sackuhren  auch  meistens  aus  Furcht  vor  den  Dieben  verschwunden
sind.  Ein  Glück  für  uns,  daß  unsre  Geschäfte  uns  an  keine  gegewisse
  Stunde  binden  und  daß  uns  das  Mittagessen  um  10,  um
11,  auch  um  1  oder  2  Uhr  eben  so  gut  schmeckt  als  sonst  um
die  gewöhnliche  Mittagsstunde,  vorausgesetzt  daß  wir  etwas  zu
essen  haben,  welches  wahrlich  nicht  immer  der  Fall  ist.
Tie  vasa  sacra  und  kostbaren  Geräthschaften  in  den  protestantischen
  Kirchen  sind  ebenfalls  ein  Gegenstand  der  Raubgierde
der  Commissärs  geworden.  Die  Geistlichen  wurden  angehalten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.