Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Ist es aber ein Wunder, wenn der zum Rauben ohnehin ge¬ 
neigte gemeine Soldat solches thut, wenn ihm von oben herab mit 
dem besten Beispiel vorgegangen wird? Und hieran läßt es der 
Commissaire-General Archier nicht fehlen. Bei seiner Ankunft be¬ 
suchte er die Schloßkeller, aber Commerell und Conforten hatten 
nichts als die leeren Fässer übrig gelassen. Statt des Weins fand 
jedoch Archier eine Menge herrschaftliches Tischzeug, das in den 
Fässern verborgen war. 
Am 29sten August begab er sich aus das Rathhaus und hielt 
eine Rede an den in pleno versammelten Magistrat. Dieser hatte 
seit der Suspension der Regierung das Ruder in die Hände ge¬ 
nommen. Die Franzosen wandten sich bei ihrer Unkunde mit 
unsrer Verfassung in allen Requisitionen an solchen, unter dem 
Namen der Municipalität, und derselbe verfügte mit Vorbeigehung 
der noch anwesenden Amtleute Lieferungen re. und regulirte die 
Einquartierungen. Daß sich die Herren in dieser neuen ungewohn¬ 
ten Gewalthaberei baß gefielen, ist leicht zu vermuthen, und es 
that ihnen wohl, daß sie denjenigen, welchen sie einst gehorchen 
mußten, befehlen, solche, wie es ununterbrochen geschah, mit Ein¬ 
quartierungen überlegen und ihre Vorstellungen über Beeinträchti¬ 
gung oder Bitten um Verschonung mit einem Machtspruch, oft auch 
mit Jnsolenzien abweisen konnten. 
Nun erwarteten sie wohl nichts anders als daß der allmächtige 
Commissaire-General ihre bisherigen Verdienste um die Republik 
mit dem verdienten Lobe belegen würde, und sie sperrten Ohren, 
Mäuler und Augen auf um den Genuß desselben durch mehrere 
Organe zu vervielfältigen. 
Wie erstaunten sie aber, als ein Strom von Injurien aus 
Archiers Munde drang. Als er sie Schelme, Niederträchtige und 
Feinde der Republik schalt. Als er ihnen vorwarf, daß sie noch 
nichts für die Republik gethan, die an sie ergangenen Requisi¬ 
tionen theils gar nicht theils schlecht befolgt, theils durch Winkel¬ 
züge zu entkräften gesucht hätten. Als er ihnen ansagte, daß nun¬ 
mehr er sie lehren wolle die Befehle der Republik zu befolgen und 
daß ihre Köpfe die Garantie dafür leisten sollten. Da sank ihnen 
der Muth, und sie fühlten, daß Regieren auch sein Bitteres habe-
	        

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