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Herrensitz am Rhein. Was sie auszeichnet, ist die bis ins
kleinste gehende sorgfältige Nachahmung der mittelalterlichen
Burg, die bis 1689 diese stolze Höhe krönte und dann
durch die Franzosen, die Städte- und Burgverwüster, in Schutt
und Trümmer sank. Die Ruinen kamen 1868 durch Kauf
in den Besitz des Geheimen Commerzienrates Ra vené in
Berlin, und dieser Hess von 1871—77 dnrch Raschdorff und
Ende nach einer Abbildung der Burg aus einem Städtebuch
v. J. 1576 und nach den im Boden noch anfgefnndenen Grundmauern
den Bau wiederherstellen, wie er im 16. Jahrh. gewesen
war. Die Wiederherstellungsarbeiten waren schwierig,
was in der unbequemen Lage der Baustelle allein schon
begründet ist. Bei den Aufräumungsarbeiten wurden noch
wohlerhaltene Keller, der Burgbrunnen, eine grosse Cisteme
und sämtliche Grundmauern aufgedeckt, die zu dem Wiederaufbau
benutzt wurden.
Das Äussere des stolzen Baues entspricht genau dem
Bilde der mittelalterlichen Burg. Die steilen Dächer, die
spitzen Ecktürmchen und hohen Kamine anf allen Gebäuden
sind sorgfältig wiederholt; der Rittersaal ist in gotischem
Stile aufgeführt. Die Burgmauer, die Thore, die Thüren und
Fenster, die Nebengebäude bis auf den Tanbenschlag und
die Hundehütte bewahren getreu den mittelalterlichen Baustil.
Die Ausschmückung und Einrichtung der Burgräume
ist in der deutschen Frührenaissance gehalten, wie sie etwa
der Zeit des jüngeren Holbein entspricht.
Den ganzen Burgbau überragt der mit hohem Spitzdache
und vier Erkertürmchen geschmückte grosse Turm, dessen
Wand nach der Stadtseite ein von Salviati in Murano bei
Venedig- gefertigtes riesiges Mosaikbild des hl. Christopherus
zeigt, ein weithin sichtbares Wahrzeichen für Burg und
Stadt.
Zur Burg führen zwei Wege — vom Bahnhof in 25 Min., von
der Anlegestelle in 15 Min. — eine Fahrstrasse ans der Stadt herauf
und ein näherer Fusssteig: von der Bahnhofrestanration 1. an der
Bahn zu der hölzernen schmalen Treppe, diese abwärts zur Stadt bis
an das Moselufer, von wo der durch die Felsen gesprengte und in
mehrfachen Windungen ansteigende Pfad bei einem alten Stadtthore
des Burgfriedens beginnt. Er fährt durch wohlgepflegte Gärten und
durch einen Weinberg hinan und gewährt die reizendsten Aussichten
auf das Moselthal und auf die Mauern, Zinnen und Türme des Schlosses.
Das Eingangsthor ziert ein riesiger Reichsadler mit einem Herold*
Bald gelangt man an Gartenanlagen vorüber zu einer Restauration
mit altdeutscher Einrichtung und reizendem Vorplatz. Der Besitzer
derselben ist zugleich Kastellan und zeigt das Innere des Schlosses
gegen Eintrittsgeld von 1 M. für 1—3 Personen. Ist der Besitzer des
Schlosses anwesend, so werden nur einige Räume gezeigt.
Von den überaus reich geschmückten und doch wohnlich
und behaglich eingerichteten Räumen sind besonders hervor¬