Full text : Mosel- und Saarführer

41

Die  Winninger  Weinberge  liefern  eine  der  besten  Mittelsorten
  des  Moselweins.  Besonders  gedeiht  er  in  den  sogenannten
  Ulen,  den  Weinbergen,  die  in  vielen  grösseren
und  kleineren  steilen  Terrassen  von  dem  Flusse  ansteigen.
Die  Schöppchen,  die  hier  an  der  Untennosel  üblich  sind,  führen
den  Namen  „Miseräbelchen“.  Ueber  die  Benennung  vergl.  die
heitere  Legende  von  Sirarock.  Winningen  ist  auch  der  einzige
  Ort  an  der  Mosel,  in  dem  sich  noch  der  frohe  Brauch
eines  Weinlese-  oder  Winzerfestes  erhalten  hat,  das  namentlich
  viele  Besucher  aus  dem  nahen  Cobienz  herbeizieht.
Nach  einer  Zeitungsmitteilung  vom  Jahre  1895  verläuft  das
Winninger  Winzerfest  in  folgender  Weise:  »Das  in  guten  Weinjahren
zu  feiernde  Winzerfest  in  dem  benachbarten  Weinorte  Winningen
a.  d.  Mosel  begann  heute  mit  dem  Umzuge  der  Winzerkompagnie.
Diese  besteht  aus  einer  Anzahl  junger,  unbescholtener  Burschen  und
Jungfrauen,  erstere  im  schwarzen  Anzug  mit  Cylinder  und  weissen
Handschuhen,  die  Mädchen  in  weissen  Kleidern,  Haar  und  Busen
mit  Blrnnen  geschmückt.  Der  Zug  holt  die  Mädchen  ah,  wobei  jedes
derselben  15  Liter  Wein  spendet.  Der  Bürgermeister  begrüsst  die
Kompagnie  mit  herzlichen  Worten,  wünscht,  dass  das  Jahrhunderte
alte  Fest  sich  ohne  moderne  Auswüchse  erhalten  möge,  und  bringt
der  Winzerkompagnie  ein  Hoch  dar.  Der  Zug  geht  nun  zum  Festlokal,
  wo  der  Ball  beginnt.  Um  7  Uhr  zieht  die  Kompagnie  mit
Faekelbegleituug  zum  Gasthaus  zur  Krone,  wo  das  historische  Essen
aus  uraltem  Zinngeschirr  stattfindet.  Das  Fest  dauert  vier  Tage.  Der
Besuch  von  auswärts  war  in  diesem  Jahre  ungeheuer  gross.«
Auf  der  1.  Moselseite  öffnet  sieh  hinter  Winningen  ein  von
hohen  Bergen  eingeschlossenes,  gut  angehautes  Thal,  durch  welches
ein  bequemer  Weg  zur  Trierer  Strasse  führt.  Ein  anderer  hübscher
Spaziergang  bringt  aufwärts  zu  dem  ehemals  gräflich  Elzisehen
'Distelberger  Hof«,  jetzt  Wirtschaft,  von  wo  man  die  wildsehöne
Hochlandschaft  auf  der  andern  Flussseite  überschaut.  Der  Blick
schweift  bis  Waldesch  hinüber.  —  il2  Std.  weiter  kommt  man  zur
Blumslay  (Lay  oder  Ley,  auch  Lei  =  Berg,  Felsen)  und  noch  lJ2  Std.
weiter  zur  Roten  Lay,  312  m,  zwei  schönen  Aussichtspunkten.
Aus  wildromantischer  Schlucht  fliesst  Winningen  gegenüber  der
Conderbach  in  die  Mosel  auf  dem  r.  Ufer.  Alte  Mühle,  1600  erbaut.
Eine  zweite  Mühle,  die  Silbermühle,  erinnert  durch  ihren  Namen  an
den  Versuch,  aus  den  im  Thale  vorkommenden  Fahierzen  Silber  zu
gewinnen.  Im  Thale  quillt  ein  kräftiger  Säuerling.  Aus  dem  Conderthal
  führt  ein  Weg  in  l*/2  Std.  zu  dem  Kühkopf  (vergl.  S,  37).  Erfrischungen
  in  den  Forsthäusern  »Ramstecken«  und  an  der  Hnnsrticker
  Strasse.
Eine  halbe  Std.  aufwärts  liegen  im  Conderthale  die  Ruinen  des
adligen  Frauenklosters  Marienrod,  dem  Prämonstratenserorden  zugehörig.
  Um  1120  gestiftet,  wurde  es  später  mit  reichen  Schenkungen
bedacht.  Bei  dem  Anrücken  der  republikanischen  Heere  der  Franzosen
  1794  fiel  das  Kloster  der  Zerstörung  durch  die  übelwollenden
benachbarten  Gemeinden  anheim;  nur  die  Wirtschaftsgebäude  sind
noch  erhalten.
Oberhalb  Winningens  beginnt  die  Umgebung  des  Flusses
die  Merkmale  einer  Moseilandschaft  anzunehmen.  Die  Mosel
macht  hier  eine  scharfe,  fast  rechtwinklige  Wendung  nach
Norden  und  schlägt  hei  Dieb  lieh  ihre  ursprüngliche  Richtung
  wieder  ein.  Das  1.  Ufer  ist  hoch  und  sehr  steil;  diese
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.