Full text : Mosel- und Saarführer

Bl

mit  schöner  Aussicht  auf  die  Ströme  und  auf  das  gewaltige
Ehrenbreitstein  bietet.
Den  Rundgang  beginnen  wir  vom  Rheinbahuhof  aus
nach  der  Mosel  und  gelangen  hier  zuerst  zur  Moselbrücke.
In  der  Nähe  die  sogen.  Burg,  ehemals  Aufenthaltsort  der
trierischen  Kurfürsten,  besonders  bevorzugt  vom  Kurfürten
Lothar  von  Metternich,  der  hier  1609  die  katholische  Liga
stiftete,  jetzt  Privatbesitz.  Nach  der  Wasserseite  ragen  zwei
Erkertürme  hervor,  an  der  Stadtseite  eine  kunstvolle  Wendeltreppe
  aus  d.  J.  1599.  Durch  das  Moselthor  gelangen  wir  zu
der  stattlichen  Moselbrücke,  1343  von  dem  Kurfürsten
Balduin  begonnen.  Er  wollte  eine  Brücke  bauen,  „also  schön
als  man  in  tewtscher  Nacion  soll  finden.“  Durch  einen  Ablassbrief
  suchte  er  die  Mittel  für  den  Bau  aufzubringen,
dessen  14  Bogen,  auf  Pfeilern  aus  Lavablöcken  ruhend,  mit
vielen  gotischen  Türmen  und  Türmchen  und  Vorsprüngen
zu  Ruheplätzen  sich  gar  stattlich  ausnahm.  Als  die  Brücke
später  in  den  Kreis  der  Befestigungen  gezogen  ward,  verlor
sie  den  grössten  Teil  ihres  Schmuckes;  1884  wurde  sie  verbreitert.
  Von  der  Mitte  schöne  Aussicht  auf  die  Moselraündung
  und  auf  die  oberhalb  über  die  Mosel  führende  Eisenbahubrücke
  der  linksrhein.  Bahn.
Der  Moselbrücke  gegenüber  liegt  auf  dem  1.  Moselufer
L  üt  z  el-C  o  bl  en  z,  seit  1892  eingeraeindet;  grosser  Güterbahnhof.
  Hinter  dem  Orte  erhebt  sich  der  Petersberg,
der  die  Feste  Franz  trägt.  Bei  dem  Austritt  aus  den
Festungswerken,  90  ra  über  der  Mosel,  prächtiger  Ausblick.
Am  Fusse  der  Feste  an  der  Andernacher  Str.,  15  Min.  von
der  Moselbrücke,  das  Denkmal  des  französ.  Generals  Marceau,
der  1796  bei  Altenkirchen  fiel;  in  der  Nähe  die  Gräber  der
1870/71  auf  dem  Petersberge  gestorbenen  franz.  Kriegsgefangenen.

Zurück  über  die  Moselbrücke  und  dann  an  dem  Moselquai
  entlang  zu  dem  sogen.  Kaufhause,  1749  als  Rathaus
erbaut,  jetzt  Realgymnasium.  Bemerkenswert  die  Uhr  mit
dem  „Mann  am  Kaufhause.“  In  der  Nähe  am  Florinsmarkt
die  Florinskirche,  aus  dem  12.  Jahrhundert,  ehemals
kath.  Stiftskirche,  seit  1818  ev.  Kirche,  mit  gotischem  Chor
und  zwei  Türmen,  deren  Helme,  nachdem  die  früheren
schlanken  Türme  zweimal  durch  den  Blitz  zerstört  worden
waren,  eine  unschöne  Form  erhalten  haben.  Nicht  weit  von
der  Florinskirche  das  alte  Schöffenhaus,  vom  Kurfürsten
Richard  v.  Greifenklau  1530  erbaut,  seit  1892  Vereinshaus
des  Kunst-,  Gewerbe-  und  Alterturasvereins  mit  sehenswerter
Waffensammlung,  auch  einer  Sammlung  römisch,  und  fränkischer
Altertümer  aus  Coblenz  und  der  Umgegend  (Sonntags  11  bis
            
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