Full text : Mosel- und Saarführer

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bleibt.  Erst  bei  Herzig  erreicht  sie  wieder  den  Fluss  L.  von  der
Balm  am  Abhange  sieht  man  die  Provinzial-Irrenans
  t  a  11,  20  Min.  von  der  Stadt
Merzig  (r.),  49  km,  174  ra.  Gasthöfe:  Hotel  Hoffmann,
N.  u.  F.  2  M,  M.  1,70,  P.  3—4  M.  ;  Trierischer  Hof  bei
Dickmeis,  N.  u.  F.  2  M.  M.  1,20  M..  P.  4M.;  Hotel  Römer
N.  u.  F.  2  M.  M.  1.50,  P.  2.75  bis  3,50  M.;  Post  bei
Adam.  N.  u.  F.  1.50,  M.  1,—  P.  3  M.;  Hotel  Otto,  N.  u.  F.
2  M,  M.  1,20,  P.  3  M.  Gartenwirtschaften:  der  Kaisergarten
und  der  Toxberg.  Kasino-Gesellschaft.  Die  Kreisstadt  Herzig
hat  5785  Einw.,  ist  Sitz  eines  Landratsamtes,  eines  Amtsgerichts,
  einer  Prov.-Irrenanstalt  und  eines  Landesbanamtes.
An  höheren  Schulen  sind  eine  Realschule  und  eine  höhere
Hädcheuschule  vorhanden.  Das  Stadthaus  wurde  1625  vom
Kurfürsten  Philipp  von  Sötern  als  Jagdschloss  gebaut  und
später  von  der  Stadt  für  seinen  heutigen  Zweck  erworben.
Die  Stadt  hat  eine  katholische  und  eine  evangelische  Kirche.
Die  erstere,  die  Peterskirche,  ist  eine  romanische,  dreischifiige
Säulenbasilika  und  stammt  wahrscheinlich  aus  dem  12.  Jahrh.
Sie  wird  als  eine  Perle  der  romanischen  Baukunst  betrachtet
und  ist  besonders  reich  an  schönen  Ornamenten.  1887/88
wurde  der  altehrwürdige  Ban  einer  gründlichen  Erneuerung
unterworfen.  —  In  der  Nähe  der  Stadt  die  bedeutende
Terrakottafabrik  von  Villeroy  u.  Bock,  die  an  400  Arbeiter
beschäftigt.  —  Die  durch  eine  schöne  Lindenallee  mit  der
Stadt  verbundene  Prov.-Irrenanstalt  wurde  1876  eröffnet  und
beherbergt  an  520  Kranke.  Die  Anstalt  hat  eine  malerische
Lage.
Merzig  [Marciacuxn,  Marcetum]  war  zur  Römerzeit  eine  Kolonie,
in  der  herrliche  römische  Villen  standen.  Während  des  Verfalls  der
Römerherrschaft  wurde  der  Ort  durch  die  Vandalen  zerstört.  Unter
den  Karolingern  wurde  Merzig  der  Hauptort  des  Saargaues  und  hatte
einen  königlichen  Palast,  den  Königshof.  Während  des  30jährigen
Krieges  hatte  die  Stadt  viel  zu  leiden,  noch  mehr  während  der  Raubkriege
  Ludwigs  XIV.  1676  haben  die  Franzosen,  »alsobald  den  Flecken
  oben,  in  der  Mitten  und  unten,  wo  der  Wind  am  meisten  schwebig
  gewesen,  angezündet,  also  dass  126  Häuser  ohne  Scheune  und
Stallung  innerhalb  2  Stunden  in  den  Grund  und  Boden  verbrennet
waren,  benebenst  dem  Hospital  und  dessen  Glocken,  welche  verschmolzen.
  Ein  solches  Weheklagen  und  Mordbrennen  wäre  nicht
genugsam  zu  beschreiben«.  1793  besetzten  die  Franzosen  den  Ort,
der  dann  unter  dem  Druck  der  Fremdherrschaft  seufzte,  bis  1816  mit
der  preussischen  Herrschaft  Ruhe  und  bessere  Zeiten  kamen.
Herzig  eignet  sich  vorzüglich  zu  längerem  Aufenthalte
wegen  seiner  angenehmen  Lage,  seiner  idyllischen  Ruhe  und
seiner  gesunden  Luft.  In  einem  weiten  Thalkessel  gelegen,
der  von  allen  Seiten  geschützt  ist,  hat  es  —  nach  v.  Briesens
Statistik  —  das  mildeste  Klima  in  der  ganzen  preussischen
Monarchie.  Im  Nordosten  der  Stadt  ziehen  sich  einige  Weinberge
  hin;  an  andern  Stellen  ist  sie  von  Obsthainen  und  hübschen
            
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