Full text : Mosel- und Saarführer

133

Metz  ist  ein  wichtiger  Eisenbahnknotenpunkt.  Von
hier  laufen  die  Bahnlinien  aus  nach  Pagny-Nancy.  nach
Diedenhofen-Luxemburg,  nach  Amanweiler-Verdun
  und  nach  Saarbrücken.  Die  Stadt  ist  Sitz  des  Bezirkspräsidiuras,
  eines  Bischofs,  einer  Kreis-  und  einer  Polizeidirektion
  (Dreibäckerstr.  4),  ferner  eines  Land-  und  eines
Amtsgerichts  (Justizpalast  an  der  Esplanade).  Die  höchsten
militärischen  Behörden  sind  das  General-Commando  des  XYI.
Armeekorps,  des  Gouvernement  und  die  Commandantur.
Geschichte  der  Stadt.  Cäsar  fand  57  v.  Chr.  auf  seinem
Zuge  nach  Gallien  am  Einflüsse  der  Seille  in  die  Mosel  bereits  eine
Stadt  als  Hauptort  der  Mediomatriker,  eines  deutschen  Stammes.  Er
errichtete  hier  ein  Standlager,  das  sich  bald  zu  einer  römischen
Stadt  erweiterte,  die  von  den  Galliern  Divodurum,  von  den  Römern
Mediomatricum  genannt  wurde;  aus  dem  letzteren  Namen  entstand
Metis  und  daraus  der  heutige  Name.  Die  Stadt  war  Kreuzungspunkt
von  sechs  römischen  Heerstrassen,  hatte  ein  Amphitheater,  öffent»
liehe  Bäder,  Tempel,  eine  Wasserleitung  und  eine  Anzahl  herrlicher
Villen  —  dass  sich  daselbst  auch  eine  Naumachie  befunden  habe,
wird  jetzt  als  Fabel  angesehen.  Die  Herrlichkeiten  gingen  in  Trümmer
durch  Attilas  Horden,  die  zu  Ostern  461  die  Stadt  erstürmten  und
verwüsteten.  Das  Christentum  hatte  wahrscheinlich  schon  am  Ende
des  3.  Jahrh,  Eingang  gefunden.  Nachfolger  der  Römerherrschaft
wurde  Chlodwig,  der  sich  die  Stadt  510  unterwarf.  Nach  seinem  Tode
wurde  Metz  die  Hauptstadt  von  Austrasien,  einem  der  4  Königreiche,
in  welche  das  fränkische  Reich  geteilt  wurde.  Die  Stadt  war  Zeuge
mancher  blutigen  Gewaltthat  der  austrasischen  Könige,  deren  Herrschaft
  Plpin  der  Kleine  ein  Ende  machte.  Er  berief  753  eine  grosse
Reichs  Versammlung  nach  Metz.  Sein  Sohn  Karl  der  Grosse  hielt
sich  öfter  in  Metz  auf  und  errichtete  hier  auch  eine  Gesangsschule
für  die  Franken.  Sein  Nachfolger,  Ludwig  der  Fromme,  liess  sich
in  Metz  krönen,  wo  er  auch  841  starb.  Die  Stadt  gehörte  nun  zu
Lothringen,  bald  jedoch  zum  Deutschen  Reiche.  Zweimal  hatte  um
diese  Zeit  die  Stadt  und  die  Umgegend  von  den  räuberischen  Einfällen
  der  Normannen  zu  leiden.  Nach  dem  Aussterben  der  Karolinger
  (911)  strebten  bereits  die  französischen  Könige  nach  dem  Besitze
Lothringens,  was  aber  Heinrich  der  Vogelsteller  und  die  Ottonen
mit  gewaffneter  Hand  zu  verhindern  wussten,  so  dass  Metz  und
Lothringen  endgültig  bei  Deutschland  blieben.  Die  Stadt  stand  unter
einem  Gaugraten,  der  seine  Rechte  allmählich  an  die  aufstrebende
Bürgerschaft  verlor,  die  diese  dann  wieder  gegen  die  Bischöfe  von
Metz  und  gegen  die  lothringischen  Herzoge  zu  verteidigen  hatte  und  sich
mit  der  Zelt  als  freie  Reichsstadt  eine  eigene  Verfassung  gab.  An
Fehden  und  heftigen  inneren  Streitigkeiten  fehlte  es  nicht.
I.  J.  1356  hielt  Kaiser  Karl  IV.  einen  glänzenden  Reichstag  in
Metz  und  verkündete  hier  die  goldene  Bulle.  Vor  und  nach  dieser
Zelt  lag  die  Stadt  oft  in  heftiger  Fehde  mit  dem  Herzog  von
Lothringen.  Dieser  fand  Unterstützung  bei  dem  französ.  Könige
Karl  VII.,  der  1444  die  Stadt  mit  einem  grossen  Heere  angrifl,  aber
auf  sehr  mannhaften  Widerstand  stiess.  Als  der  König  bei  den
Friedensverhandlungen  Miene  machte,  die  Stadt  in  seinen  Besitz  zu
bekommen,  erklärten  die  Metzer,  dass  sie  niemals  dem  grossen  kaiserlichen
  Adler  untreu  werden  wollten.  Die  Bürger  zahlten  eine  namhafte
  Summe  und  erlangten  den  Frieden;  doch  hörte  Frankreich
nicht  auf,  begehrliche  Blicke  auf  die  deutsche  Stadt  und  Festung  zu
werfen.  Die  Absicht  des  lothringischen  Herzogs,  die  Stadt  durch
einen  Handstreich  zu  erobern,  wurde  durch  die  Umsicht  und  Tapferkeit
  eines  Metzer  Bäckermeisters  vereitelt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.