Full text : Mosel- und Saarführer

—  113

Provinzialmuseum  steht,  ein  schöner  Renaissancebau  aus
rotem  Sandstein  mit  hübschen  Sandsteinfiguren  über  einigen
Fenstern.  Das  Gebäude  ist  von  1885—89  von  der  Efieiuprovinz
  errichtet,  hauptsächlich  zur  Unterbringung  der  römischen
  Altertümer  Triers  und  des  Moselthales.  Besuchszeit
vergl.  S,  103.  Ausführlicher  Katalog  bei  dem  Kastellan.*)
Durch  eine  prächtig  geschmückte  Vorhalle  gelangt  man  zu  dem
bequemen  Treppenbau.  Im  Erdgeschoss  1.  die  Säle  I—IV.,  enthalten
hauptsächlich  die  römischen  Grahmäler  aus  Neumagen  vergl.  S.  89;
sie  stellen  die  Moselbevölkerung  in  ihren  Trachten  und  in  ihrer  täglichen
  Arbeit  etwa  aus  der  Zeit  von  100—250  n.  Chr.  dar.  Besonders
beachtenswert  im  II.  Saale  das  Grabdenkmal  mit  der  Ahschiedsscene,
auf  den  Seitenfeldern  die  Hausherrin  bei  der  Toilette,  der  Hausherr
von  der  Jagd  heimkehrend  ;  ferner  ein  Grabdenkmal  mit  Porträt
flguren,  die  noch  deutliche  Spuren  von  Bemalung  tragen.  Im  III.
Saale  Schiffe  mit  Weinfässern;  man  beachte  den  Kopf  des  verschmitzt
dreinsehauenden  Steuermanns.;  ein  grosses  Denkmal,  vorn  eine  Arena,
rechts  eine  Abgabenentrichtung  darstellend;  ira  IV.  Saale  ein  Grabdenkmal,
  eine  Schule  zeigend.  —  Saal  V.  und  VI.  enthalten  Steindenkmäler
  aus  der  Stadt  Trier.  Im  V.  Saale  besonders  bemerkenswert
die  Inschrift  eines  dem  L.  Caesar,  Adoptivsohn  des  Kaisers  Augustus;
gewidmeten  Denkmals,  die  älteste  römische  Inschrift  der  Rheinlands;
ein  Altar,  dem  Genius  der  Armeekämpfer  gesetzt,  im  Amphitheater
gefunden.  Im  VI.  Saal:  Grabinschrift  einer  Hebamme;  Grabschrift
■eines  Protektors  aus  dem  4.  Jahrh.;  Sarg  mit  Skelett  und  Beigaben
aus  dem  III.  Jahrh.  n.  Chr.  ;  zahlreiche  christliche  Inschriften  aus  den
Grabstätten  der  Vorstädte  St.  Matthias,  St.  Paulin  und  St.  Maximin;
ein  Sarkophag  mit  der  Darstellung  der  Arche  Noah;  in  diesem  Saale
auch  die  Nachbildung  eines  mit  frühchristlichen  Sinnbildern  gezierten
Holzsarges,  der  1883  in  der  Paulinuskirche  (S.  117)  in  dem  Steinsarge
gefunden  wurde,  den  man  als  das  Grab  des  h.  Paulinus,  t  um  350,
bezeichnet;  hier  auch  der  vor  2  Jahren  hinter  dem  Museum  aufgefundene
  Mosaikboden,  der  Grösse  nach  der  zweite  in  dem  Museum.
Der  VII.  Saal  enthält  allerlei  Technisches  aus  der  Römerzeit,  manches
auch  in  sehr  genauen  Nachbildungen;  der  VIII.  Saal  bewahrt  die
neuesten  Funde  auf.
Im  Kellergeschoss,  im  XI.  Saale,  römische  Meilensteine  vom
J.  121  und  139  von  der  Römerstrasse  Trier-Cöln.  Votivdenkmäler  aus
der  Umgegend  Triers;  der  in  Ehrang  gefundene  Viergötteraltar  mit
2  Gruppen  des  reitenden  Jupiter;  ein  sitzender  Jupiter  mit  einem
Herkulesbilde  auf  der  Lehne:  Merkur  mit  dem  Bacchuskinde.  Im
XII.  Saale  römische  Grabdenkmäler  aus  der  Umgegend  Triers;  ira
XIII.  Saale  romanische,  gotische  und  neuere  Steindenkmäler.
An  den  Seiten  des  prächtigen  Treppenbaues  vom  Erdgeschoss
in  das  oT^ere  Geschoss  eine  getreue  Nachbildung  antiker  Waffen.  Im
XIV.  Saale  ein  grosser  Mosaikboden  von  Monnus,  vermutlich  aus  der
Zeit  um  300  n.  Chr.,  bei  der  Erbauung  des  Museums  gefunden  —  über
ein  Drittel  fehlt  —  er  stellt  Musen  dar,  die  Weise  unterrichten,  Homer,
Cadmus,  Livius,  Vergil,  Cicero,  Hesiod  u.  a.  ;  ferner  die  Monate  mit
den  Monatsgöttern,  die  Tierkreiszeichen  und  die’  Jahreszeiten.  Im
XV.  Saale  römische  Funde  aus  Trier:  Marmorsäulen;  Torso  eines
Amor;  Torso  einer  höchst  künstlerisch  ausgeführten  Amazone,  die
man  für  die  beste  Nachbildung  der  Amazone  des  Phidias  hält,  gefunden
  in  den  römischen  Bädern  (S.  116);  viele  römische  Hausgeräte
aus  den  römischen  Bädern  ;  Wandmalereien  ;  Jupiterstatue  aus  einem
römischen  Hause  in  der  Johannisstr.  Im  XVI.  Saale  Funde  aus  der
Zu  empfehlen  ist  für  den  Besuch  des  Museums:  F.  Hettner,
die  römischen  Steindenkmälcr  des  Provinzialmuseums  zu  Trier.  Trier.
Mosel-  und  Saarführer.  8
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.