Full text: Mosel- und Saarführer

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ein weites, ebenes Vorland aus. Die Abhänge r. von der 
Trobn tragen edle Reben, beste Lage der „Hofberger.“ 
An der Trohn weit aufwärts liegen die Trümmer der Burg 
Trohneck, zum Teil zur Aufnahme der Königlichen Oberföisterei 
wieder aufgebaut. In der Nähe das „singende Thal“. 
Auf der Höhe, diel, von dem Trohnbach sich ins Moselthal vor¬ 
schiebt, soll der prachtliebende Erzbischof Ni cetius im 6. Jahr, 
seinen wunderbaren Marmorpalast gebaut haben, derdenspätrömischen 
Dichter Fortunatus zu einer poetischen Schilderung begeisterte. Dreissig 
Türme schmückten den Wunderbau, der auf einem Hügel sich erhob, 
dessen Abhänge durch eine dreifache Manerterrasse gestützt waren. 
Hinter dem Palast, der eine von Marmorsäulen getragene Halle (aula) 
umschloss, erhob sich auf einem steilen Felsenabhange ein Turm 
mit einer Kapelle und einer mit Bailisten besetzten Plattform. 
Von der Höhe des Berges liefen zu beiden Seiten Mauern den Abhang 
hinab, um eine Stadt (Neumagen?) oder eine zur Erbauung einer 
Stadt bestimmte Fläche einzuschliessen. Bis jetzt ist es nicht ge¬ 
lungen, irgend eine Spur dieses Prachtbaues zu entdecken. Doch 
deutet das in Fortunatus’ Gedicht erwähnte Mediolanum auf ein in 
der Nähe gelegenes, untergegangenes Dörfchen Medelingen und 
damit auf die Umgebung von Neumagen hin, die der pracht¬ 
liebende Erzbischof für seinen Palast ausersehen hat. 
Auf dem von Trohn durch die anmutigen Gefilde führen¬ 
den Wege erreicht man in kurzer Zeit das schon von Auso¬ 
nius besungene 
Neumagen (r.) [Noviomagus], Anlegestelle des Dampfbootes; 
Gasth. Neumagener Hof, 12 Betten, N. u. F. 1,50—2 M, M. 
1,20 M., P. bei 8 bis 14täg. Aufenth. 2,50 M.; Hoff mann; 
Clerrtft. Der Flecken hat über 1600 Einw. und ist Sitz 
eines Amtsgerichts. Der Ort hat heute noch ein stattliches 
Aussehen; besonders die an der Mosel gelegenen Häuser 
machen mit ihren reichen Gärten den Eindruck der Behag¬ 
lichkeit und Behäbigkeit, wie ihn ein reiches Haus in einer 
heitern und schönen Lage immer hervorruft. Im Mittelalter 
wohnten hier reiche Geschlechter. Der Kurfürst hatte hier 
eine Burg, die Petersburg genannt. Von der 1198 er¬ 
bauten Kirche ist auf dem Kirchhof nichts mehr vorhanden; die 
jetzt bestehende Kirche ist 1770 erbaut worden. 
Die alte Herrlichkeit, die zur Zeit Konstantins hier ge¬ 
herrscht haben muss, ist bis auf wenige Reste ganz ver¬ 
schwunden. Konstantin hatte hier eine Prachtburg; ringsum 
standen herrliche Villen und prachtvolle Grabdenkmäler. 
Ausonius war entzückt, als er, vom Hochwalde niedersteigeud, 
die Pracht des kaiserlichen Sommersitzes erblickte. 
„Endlich winkt sie, die herrliche Burg von weiland Kaiser 
Konstantin: Neumagen im vorderen belgischen Lande. 
Hier weht reinere Luft, und in heiter’m, sonnigem Glanze 
Thut er sich wiederum auf, der purpurfarbene Himmel. . . . 
Ach! das mutet mich an, als säh’ ich die schimmernde Heimat 
Vor mir, mein Bordeaux, derselbe liebliche Anblick: 
Prächtige Villen, wie dort, auf Ufers Höhen gegründet, 
Hügel, wie dort, mit Reben umgrünt, und freundliche Wasser, 
Leises, sanftes Gemurmel der ruhig fliessenden Mosel!“
	        

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