Full text: Mosel- und Saarführer

82 
hoben. Sehr mildes Klima; Bernkastel besitzt die höchste 
mittlere Jahreswärme an der Mosel. Die Lage ist herrlich- 
Den schönsten Anblick gewährt die Stadt von der Brücke 
oder von der Ruine Landshut. Die stattlichste Seite ist, 
die am Staden gelegene. Der grössere Teil der Stadt drängt 
sich in einem kleinen Seitenthal zusammen, weshalb die 
Strassen eng und winklig sind; dort auch noch viele uber- 
gebaute Häuser aus schmuckem Fachwerk, was alles diesen 
Stadtteilen ein mittelalterliches Gepräge verleiht. Sehens¬ 
wert sind: das Rathaus auf dem Markte; an einer Seite 
sieht man noch den Pranger mit Inschrift. Im Rathause 
werden drei kostbare Pokale aus der Burg gezeigt. Ferner 
die Kirche zum hl. Michael, deren Turm mit hübschen 
Nebentürmchen früher Wachtturm war. In der früheren 
Kellerei, jetzt Lehrerinnenwobnung, übernachtete Maximilian I. 
am 9. März 1512 auf der Reise nach Trier. Die spätere 
kurfürstliche Kellerei, ein grosses Gebäude mit hohem, spitzem 
Dache, ist jetzt Privateigentum. Hübsch nimmt sich auch 
das am Staden gelegene neue Kreistagsgebäude aus. Das 
1655 erbaute Kapuzinerkloster im oberen Stadtteil dient jetzt 
als Kranken- und Waisenhaus. In der Nähe der Stadt einige 
Schieferbrüche, sowie Blei- und Kupferbergwerke. 
Der Name der Stadt stammt wahrscheinlich von Adalbero von 
Luxemburg, der um das Jahr 1000 die Burg in Besitz hatte. 1017 
wurde die Burg von dem Erzbischof Poppo von Trier zerstört, 1277 
von dem Erzbischof Heinrich n. wieder aufgebaut und mit dem zu 
ihren Füssen entstandenen Flecken aufs stärkste befestigt. Bald 
darauf kamen Burg und Stadt in den Besitz des Trier’schen Erz¬ 
bischofs. Boemund II. baute die neue Besitzung aus »mit Sälen, 
Kammern, Mauern, Türmen und Brustwehren, auch unterschiedlichen 
bequemen Gebäuden und liess den lustigen und vermöglichen Ort, 
zu dessen Schutze die Burg erbaut, von Kaiser Rudolf I. 1291 mit 
Stadtrechten begnadigen.* Durch die Erzbergwerke gewann die 
Stadt Wohlstand und Bedeutung. In den vielfachen Fehden des 
Erzstiftes hatte Bernkastel verschiedene Belagerungen zu bestehen. 
1627 wütete hier die Pest, so dass ganze Strassen äusstarben. 1639 
wurde die Stadt von dem Herzog von Longueville mit französisch- 
weimarisehen Truppen besetzt, doch nicht lange. 1674 hatte die 
Stadt mit der Burg 500 Mann Besatzung kaiserlicher und trierischer 
Truppen. Als am 21. März 1674 »die Franzosen bei 2000 stark diesen 
Ort vor Tag anfielen, wurden sie mit blutigen Köpfen und Hinter¬ 
lassung vieler Todten abgewiesen.« 1688 waren Stadl und Burg wieder 
in den Händen der Franzosen. Durch Feuer und Vernachlässigung 
verfiel allmählich die Burg Landshut; die Besitzungen wurden ver¬ 
kauft. Als der Kronprinz von Preussen 1839 in Bernkastel anwesend 
war, wurde er gebeten, die Ruine Landshut als Geschenk anzunehmen. 
Der Ruf des »Bernkastler Doktor« gründet sich auf die 
Sage, dass einst ein kranker Kurfürst von Trier, bei dem alle Heil¬ 
mittel vergeblich angewendet worden waren, durch ein Fässchen 
Weines aus dem Bernkastler Weinberge, das ihm ein alter Mann 
spendete, von allem Leiden gesundete und in seiner Freude den 
Weinberg seinen »Doktor« nannte. 
Bernkastel lädt zu längerem Yerweileu ebenso ein wie
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.