Full text : Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

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ein  neues  miSflC  hier  verzeichnet  werden,  daß  die  in
Chicago  (Nordamerika)  lebenden  Landsleute  an  die
Saarbrücker  Stadtbchörde  die  Anzeige  ergehen  ließen,
daß  die  Summe  von  1500  Dollars  gesammelt  und  zur
Auszahlung  angewiesen  sei  zum  Zweck  der  Unterstützung
der  Nothleidenden  linb  von  Wittwen  und  Waisen  im
Kampf  gefallener  Krieger.
Die  in  Metz  in  Gefangenschaft  gerathenen  150,000
Mann  Franzosen  werden  über  Saarbrücken,  jeden  Tag
10,000  in  fünf  Bahnzügen  zu  je  2000  Mann,  inslradirt
  werden.  Aller  Gütertransport  ist  eingestellt.
Am  3.  November  kamen  die  Geiterale  Frossard
und  Changarnier  hier  an,  nitd  sind  alsbald  in  die
Gefangenschaft  nach  Deutschland  weiter  gereist.  Bor
seiner  Weiterreise  besichtigte  der  80jährige  General
Changarnier  die  Spichcrer  Höhen  und  das  Schlachtfeld
  vor  denselben.  Auch  deit  General  Frossard
mochten  wohl  eigenthümliche  Gefühle  und  Erinnerungen
beschlichen  haben,  als  er  die  Saarbrücker  Anhöhen  und
unsere  Stadt  wieder  sah,  die  einzige  deutsche  Stadt,
welche  seine  Truppen  drei  Tage  lang  betreten  konnten,
und  in  welcher  er  gerade  3  Monate  vorher  (am  3.
Angtist)  als  höchstkommandirendcr  General  anwesend  war.
Die  Durchzüge  der  gefangenen  Franzosen  dauern
Tag  tliid  Nacht  ununterbrochen  fort.  Die  meisten  der
Gefangenen  boten  ein  wahres  Bild  des  Jatnmers  und
des  Schmiltzes;  Hunger  und  Elend  standen  jedem  auf
der  Stirne  geschrieben,  bei  den  Meisten  waren  Schuhwerk
  und  Uniform  in  Fetzen.  Bei  jedem  Gefaugenenzug
  von  Metz  nach  Saarbrücken  gibt  es  eine  Anzahl
Todte  und  in  der  ersten  Nacht  nach  der  Capitulalion
sind  in  dem  Gefangencnbivouak  von  10,000  Mann
mehr  als  100  vor  Hunger  und  Kalte  ums  Leben  gekommen.

            
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