Full text: Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

hiesigen Lazareth aus nach dem Begräbnißplatz; ein 
Musikcorps ging dem Todtenwagen voran und die 
hiesige evangelische Geistlichkeit folgte dem Sarge, der 
die Hülle eines hier verstorbenen Jntendanturbeamten 
aus Tennstadt umschloß. Hunderte von Menschen 
folgten dem Trauerzug nach dem Orte, wo die an und 
auf den Spicherer Höhen gefallenen Krieger ruhen, so¬ 
wie die Tapfern, welche in diesem und in den vielen 
anderen Treffen und Schlachten verwundet worden 
oder die an anderen Krankheiten seither in den hiesigen 
Spitälern verstorben sind. 
Blumen- und Jmmortcllenkränze bedeckten die 
Gräber der Gefallenen und Fahnen in den preußischen 
und norddeutschen Bundesfarben zierten den Ort, vor 
welchem für die Ncconvalcsccnz begriffenen Verwundeten 
und eine Anzahl geladener Ehrengäste Sitze errichtet 
waren. Nachdem die Hülle des hier plötzlich aus sei¬ 
nem Wirkungskreise abgerufenen Beamten, der in seiner 
Heiinath Gattin und 5 Kinder hinterläßt, dem Schoos; 
der Erde übergeben war, fand die Feier durch den 
Choral: „Jesus meine Zuversicht" eine würdige Ein- 
lcituug, welcher die Liturgie folgte, die von Herrn 
Pfarrer Engel gehalten und wobei ein aus Sängern 
unserer beiden Städte zusammengesetzter Chor trefflich 
mitwirkte. Feierliche Stille herrschte unter den Tau¬ 
senden von Zuhörern und das kräftig und wirkend vor¬ 
getragene „Friede auf Erden" war es, zu dem wohl 
alle Anwesenden ihr stilles „Amen!" sprachen. 
Herr Superintendent Schirmer bestieg hierauf die 
Kanzel und hielt die Weihcrede, in deren Eingang die 
Bedeutung der Feier dargelegt wurde. „Was die Feier 
bedeute", sprach der Redner, „die uns so zahlreich hier 
versammelt hat, ^ das bedürfe keiner besonderen Erklä¬ 
rung, das sagen die Grabhügel mit ihren mit Kränzen 
geschmückten Kreuzen und alle die Traucrzeichen, womit
	        

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