Full text: Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

stahlen sie, wessen sie habhaft werden konnten, besonders 
Hühner, Enten, Gänse, Ziegen rc. re., und wie eins 
Alp fiel es den patriotischen Einwohnern von St. Ar¬ 
nual von der Brust, als cs am Abend des 4. Taget 
auf einmal hieß, die Preußen kommen, und die Fran¬ 
zosen sich in den Wald zurückzogen. 
Nicht geräuschvoll, wie sie gekommen, sondern hastig h 
und Vieles im Stiche lassend, verließen sie am 5. Aug.d 
den Ort und es war hohe Zeit für sie, denn atr.fc 
andern Tage, am 6. August wurde ihnen auf beut 
Arnualer und den Spicherer Bergen die Luft zuM 
Wiederkommen vertrieben. Während des Kampfes UM 
die Wieselsteiner und Spicherer Höhen flogen die Kn-'s 
geln über und in das Dorf, und wurde ein Mädchen, r 
als es über den freien Platz vor der Kirche gehens 
wollte, durch den Leib geschossen. Die Männer uni) S 
Frauen aber ließen sich nicht abhalten; unter demKugel-j> 
regen während der Schlacht eilten sie mit Wagen hinaus^ 
in's Feld, und brachten die Verwundeten heim in bicM 
Räumlichkeiten der Herren Gebrüder Simon, welches 
mit edlem Beispiel vorangingen und ihre ganze Fabrik i 
in ein Lazarcth für Verwundete und in eine Speise-h 
anstatt für hungernde und durstende Soldaten umge-U 
wandelt hatten. Die ganze Nacht und die darauf fol-!, 
genden Tage schleppten die Hausfrauen Speisen und!> 
Getränke hinaus in's Feld für unsere müden Leute,!, 
die den ganzen Tag im Feuer und zum Umfallen müde! j 
waren und noch nichts genossen hatten. Wahrhaft er=|i 
hebend war es, wie selbst die Acrmstcn ihr letztes Stück 
Brod und ihre letzte Tasse Milch fortschleppen, um 
unsere Braven 39er und 40er zu sättigen und zu 
stärken. Unsere wackern Bürger in St. Arnual haben 
also eben so viel erlebt, eben so viel gelitten und opfern 
eben so viel auf dem Altare des Vaterlandes wie wir 
in Saarbrücken und St. Johann. Darum herzlichen
	        

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