Full text : Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

Roden!)vfcs  gekommen  waren,  erschienen  Franzosen  und
nahmen  den  Nahenden  den  Speisekorb  ad;  Niemand
außer  dem  Koch  durfte  hillanf.  Während  des  Scrvirens
  frug  der  Oberst  den  jungen  Saarbrücker,  wie
viel  Preußen  am  2.  August  den  Franzosen  gegenüber
gestanden  hätten.  Auf  die  Antwort:  ..Drei  Compagnien
  vierziger  Füsiliere,  die  an  sechs  Orten  vertheilt
  waren",  entfiel  dem  Commandanten  die  Gabel.
„Das  ist  unmöglich!"  rief  er,  „das  kann  nicht
die  Wahrheit  sein!"
„Herr  Commandant",  cntgcgncte  der  junge  Saar
brücker,  der  als  Koch  früher  im  Lager  von  Chalons
thätig  war  und  den  Kops  ans  dem  richtigen  Fleck  sitzen
hat,  „Sic  werden  wahrscheinlich  Gelegenheit  haben,
Herrn  Schmidtborn  zie  sprechen,  und  ans  dessen  Mund
werden  Sic  ganz  sicher  dasselbe  und  nichts  Anderes  >
hören!"
„Nun,  ich  werde  mich  erkundigen;  sollte  cs  aber
wahr  fein,  was  Sic  mir  da  sagen,  dann  —"
Dem  guten  General  mochte  wohl  eine  Vorahnung
gekommen  sein  von  der  Kraft  und  Widerstandsfähigkeit
der  deutschen  Armee,  wenn  sie  aus  lauter  solchen
Männern  zusammengesetzt  war,  wie  die  40cr  sich  erwiesen,
  diese  pieds  du  diablo,  wie  sie  von  den  Franzosen
genannt  worden,  wegen  ihrer  unermüdlichen  Wachsamkeit
  und  stanncnerregcndcn  Schnelligkeit,  mit  der  sie
überall  so  lange  Zeit  trotz  ihrer  unbedeutenden  Anzahl
dem  Feind  auf  den  Fersen  waren
Am  4.  August  nahm  unsere  Stadt  nllmählig  wieder
  eine  lebendigere,  kriegerische  Physiognomie  an.  Schon
in  der  Frühe  zeigten  sich  ans  dem  rechten  Saaruscr
prenßisclw  Rceognoseirungspatroiiillcn  aller  Waffengat  ■
tungen;  Kürassiere,  Husaren,  Dragoner  und  Ulanen
kamen  ans  kurze  Zeit  herüber  nach  Saarbrücken,  stets
            
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