Chassepotgewehr in der Hand wahrhafte Affensprünge
machten und bei jedem Herumdrehen und Bajonuetstoß
ganz ernstlich äußerten: „daß das jedesmal einen
Preußen koste" — so erregte das nur ein mitleidiges
! Lächeln. Wir wußten die preußische Armee ganz in
der Nähe, hatten die Wirkungen der Zündnadel kennen
gelernt und in der That, die abgemagerten nnb unsauberen
Gesellen sahen gar nicht aus, als könnten sie
! mit ihrem „wunderwirkenden" Chassepot die „civilisatorischeu
Ideen der Revolution von 1789 in die Mitte
! Europas tragen", wie ihr Kaiser in seiner Proklamation
so ruhmredig verheißen hat. Und wie bald hatte cs
> sich erwiesen, daß den Franzosen vollkommen das Zeug
j fehlt, die deutschen Eichen zu brechen.
Soldaten verschiedener Regimenter durchziehen
truppenweise die Straßen, reguiriren hier, dort betteln
sie Lebensmittel nnb Getränke, manche bezahlen auch
unaufgefordert. Mit Ekel wendet sich der Bürger von
den verwilderten und verhungerten Gliedern der gründe
j nation ab, welche mit Wnrstkränzen behängen, Brode
Und Semmel ans dem Bajonnette ansgeftapelt, eine
Gicskanne oder sonst ein erbeutetes Geschirr in der
Hand, von HauS zu Hans zogen, um sich für den Hunger
zu entschädigen, beut sie unbegreiflicher Weise Wochen ang
I ausgesetzt waren, ehe sie den Vorstoß machten und in
I unsere Stadt sich hineinwagten. Die Armee Verpflegung
j muß eine jämmerliche, unverzeihliche gewesen sein.
Ganze Abtheilungen sah man die halbreifen Kartoffeln
ausmachen und das unreifste Obst worin einem großen
Theil der Gärten verschwunden, sodaß Mitleid und
Menschenliebe viele unserer Einwohner vergessen ließen,
^Hasi es unsere Erbfeinde waren.
Plj Gegen d Uhr nachmittags ertönten plötzlich Horn
stgnale in unseren Straßen nnb lockten die Einwohner
vor die Häuser. General Frossard, dessen Hauptquartier