Full text : Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

Chassepotgewehr  in  der  Hand  wahrhafte  Affensprünge
machten  und  bei  jedem  Herumdrehen  und  Bajonuetstoß
ganz  ernstlich  äußerten:  „daß  das  jedesmal  einen
Preußen  koste"  —  so  erregte  das  nur  ein  mitleidiges
!  Lächeln.  Wir  wußten  die  preußische  Armee  ganz  in
der  Nähe,  hatten  die  Wirkungen  der  Zündnadel  kennen
gelernt  und  in  der  That,  die  abgemagerten  nnb  unsauberen
  Gesellen  sahen  gar  nicht  aus,  als  könnten  sie
!  mit  ihrem  „wunderwirkenden"  Chassepot  die  „civilisatorischeu
  Ideen  der  Revolution  von  1789  in  die  Mitte
!  Europas  tragen",  wie  ihr  Kaiser  in  seiner  Proklamation
so  ruhmredig  verheißen  hat.  Und  wie  bald  hatte  cs
>  sich  erwiesen,  daß  den  Franzosen  vollkommen  das  Zeug
j  fehlt,  die  deutschen  Eichen  zu  brechen.
Soldaten  verschiedener  Regimenter  durchziehen
truppenweise  die  Straßen,  reguiriren  hier,  dort  betteln
sie  Lebensmittel  nnb  Getränke,  manche  bezahlen  auch
unaufgefordert.  Mit  Ekel  wendet  sich  der  Bürger  von
den  verwilderten  und  verhungerten  Gliedern  der  gründe
j  nation  ab,  welche  mit  Wnrstkränzen  behängen,  Brode
Und  Semmel  ans  dem  Bajonnette  ansgeftapelt,  eine
Gicskanne  oder  sonst  ein  erbeutetes  Geschirr  in  der
Hand,  von  HauS  zu  Hans  zogen,  um  sich  für  den  Hunger
zu  entschädigen,  beut  sie  unbegreiflicher  Weise  Wochen  ang
I  ausgesetzt  waren,  ehe  sie  den  Vorstoß  machten  und  in
I  unsere  Stadt  sich  hineinwagten.  Die  Armee  Verpflegung
j  muß  eine  jämmerliche,  unverzeihliche  gewesen  sein.
Ganze  Abtheilungen  sah  man  die  halbreifen  Kartoffeln
ausmachen  und  das  unreifste  Obst  worin  einem  großen
Theil  der  Gärten  verschwunden,  sodaß  Mitleid  und
Menschenliebe  viele  unserer  Einwohner  vergessen  ließen,
^Hasi  es  unsere  Erbfeinde  waren.
Plj  Gegen  d  Uhr  nachmittags  ertönten  plötzlich  Horn
stgnale  in  unseren  Straßen  nnb  lockten  die  Einwohner
vor  die  Häuser.  General  Frossard,  dessen  Hauptquartier
            
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