Full text: Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

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gemacht, das oben erwähnte Wirthshaus mit ungefähr 
einem Dutzend Granaten zu begrüßen. Die Spreng¬ 
geschosse, von denen man vier unkrcpirt auffand, 
hatten weiter keinen großen Schaden angerichtet; an 
dem Hauptgebäude war eine Granate durch die Wand 
in das Wirthszimmcr gerathen und hatte im Explo- 
diren an den Geräthschaftcn ihre Zerstörungswuth 
ausgeübt, andere Geschosse hatten das Dach und einen 
Fensterflügel arg zugerichtet. Die Bewohner Saar¬ 
brückens befanden sich in Folge dieses französischen 
Angriffs au-' Privateigenthmu in nicht geringer Auf¬ 
regung zumal es nicht an Leuten fehlte, welche sich 
eine Lust daraus zu machen schienen, die Bevölkerung 
unaufhörlich durch lügenhafte Nachrichten und Ueber¬ 
treibungen in Spannung und Angst zu erhalten. Gra¬ 
natsplitter flogen bis in die Saarbrücker Borstadt und 
fielen in die Nähe des Haupt-Zollamts und des Mi- 
litärlazarcths nieder. Glücklicherweise ist Niemand be¬ 
schädigt worden. Sehr leicht aber hätte größeres Un¬ 
glück entstehen können. Denn wenige Augenblicke vor¬ 
her, als die erste Granate in die „Bellevue" einschlug, 
war die Wirthsstube voll Menschen angefüllt, welche 
vor dem Gewitterregen, der sic von dem Exerzierplatz 
vertrieben hatte, hier Schutz suchten. Da plötzlich 
drang eine Chasstpotkugel durch die Frontseite des 
Hauses in das Wirthszimmcr über den Köpfen der er¬ 
schreckten Gäste hinweg und schlug in die Hinterwand 
ein. Alles verließ nun eiligst das Zimmer und Haus 
und auch der Wirth war damit beschäftigt, seine Sachen 
schnell so viel als möglich in Sicherheit zu bringen, 
— da kam die schon oben erwähnte Granate in das 
glücklicher Weise von Gästen leere Zimmer, machte sich 
über die im Wirthsschranke befindlichen Flaschen her, zer¬ 
schlug das zum Ausschenken bereite Bicrfäßchen auf 
dem Büffet und lagerte sich nach diesen Verrichtungen
	        

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