Full text: Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

Zu gleicher Zeit wurde eine Cabinets-Ordre veröffent¬ 
licht, worin Se. Majestät sagt: „Angesichts der ernsten 
Lage des Vaterlandes und in dankbarer Erinnerung 
an die Heldenthaten unserer Vorfahren in den großen 
Jahren der Befreiungskriege, will Ich das von Meinem 
in Gott ruhenden Vater gestiftete Ordenszeichen des 
Eisernen Kreuzes in feiner ganzen Bedeutung wieder 
aufleben lassen. Das eiserne Kreuz soll, ohne 
Unterschied des Ranges oder Standes, verliehen werden 
als eine Belohnung für das Verdienst, welches ent¬ 
weder im wirklichen Kampfe mit dem Feinde oder 
daheim, in Beziehung auf diesen Kampf für die Ehre 
und Selbstständigkeit des theuren Vaterlandes erworben 
wird." 
Unterm 20. Juli ist der bayrische Gesandte in 
Berlin angewiesen worden, dem Grafen Bismarck mit¬ 
zutheilen, daß in Folge der französischen Kriegserklärung 
und des stattgehabten Angriffs auf deutsches Gebiet*) 
die bayrische Regierung ans Grund des Allianzvertrages 
als Verbündeter Preußens in den Krieg gegen Frank¬ 
reich gleich den sämmtlichen deutschen Regierungen ein¬ 
getreten fei. Zu derselben Zeit übernahm der Kron¬ 
prinz von Preußen den Oberbefehl über die deutsche 
Südarmee und machte die bezüglichen Mittheilungen 
an die Höfe von München und Stuttgart. In Würt¬ 
temberg war schon am 17 Juli die sofortige Mobil¬ 
machung der Armee und die Einberufung der Stände 
beschlossen. Von Kopenhagen traf die 'Rachricht ein, 
daß das dänische Cabinet beschlossen habe, vollständige 
Neutralität zn beobachten. 
So erhebend auch alle diese Nachrichten für uns 
waren, so konnten sic dennoch nicht verhindern, daß 
*) Vgl. weiter unten den franz. Neberfall auf die Zoll 
statte zur Folsterhöhe.
	        

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