Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

Nr. 7. 
Antwort der alliierten und assoziierten Mächte auf die 
Bemerkungen der deutschen Delegation zu den Friedens¬ 
bedingungen. Vom 16. Juni 1919. 
(Übersetzung.) 
Teil II und III, Abschnitt IV. 
Saarbecken. 
Die Frage des Saarbeckengebiets ist bereits Gegenstand eines 
Notenwechsels mit der deutschen Delegation gewesen. Die 
neuen Bemerkungen, die in der deutschen Mitteilung enthalten 
sind, scheinen Sinn und Absicht dieses Abschnitts des Vertrags 
vollständig zu verkennen. 
Die Absicht und der Wille der Alliierten sind an zwei Stellen 
ausgesprochen worden: einmal in dem Vertrag selbst, in dem 
es (Artikel 45 und 46) heißt, daß Deutschland die getroffenen 
Bestimmungen annimmt „als Ausgleich für die Zerstörung der 
Kohlenbergwerke in Nordfrankreich unter Anrechnung auf den 
Betrag der Reparation der Kriegsschäden, für die Deutschland 
verantwortlich ist und um die Rechte und das 
Wohlbefinden der Bevölkerung zu sichern“, ferner in der Note 
vom 24. Mai, in der es hieß: „Die alliierten und assoziierten 
Regierungen haben diese besondere Form der Reparation ge¬ 
wählt, weil sie der Meinung waren, daß die Zerstörung der 
Kohlenbergwerke Nordfrankreichs eine derartige Handlung war, 
daß sie eine besondere und exemplarische Reparation erforderte. 
Dieses Ziel würde durch bloße Lieferung einer bestimmten oder 
unbestimmten Menge von Kohlen nicht erreicht werden. Des¬ 
halb muß der aufgestellte Entwurf in seinen allgemeinen Be¬ 
stimmungen aufrechterhalten werden, und die alliierten und 
assoziierten Mächte sind zu keiner Erörterung über diesen 
Punkt geneigt.“ 
Die deutsche Delegation erklärt nun, daß „die deutsche Re¬ 
gierung es ablehnt, irgendeine Wiedergutmachung zu leisten, 
die den Charakter einer Strafe haben würde“. Der deutsche 
Begriff der Gerechtigkeit scheint also eine Vorstellung aus¬ 
zuschließen, die für jede gerechte Regelung wesentlich ist und 
eine notwendige Grundlage für jede spätere Versöhnung bildet. 
Die alliierten und assoziierten Regierungen haben, als sie 
die Art der aufzuerlegenden Reparationen bestimmten, den 
Wunsch gehabt, eine Form zu wählen, die in ihrer außer¬ 
gewöhnlichen Art, übrigens für eine begrenzte Zeit, ein sicht¬ 
bares und klares Symbol darstellt. Sie haben gleichzeitig be¬ 
absichtigt, für die Reparation ein sofort greifbares Pfand zu 
sichern, das den in der deutschen Denkschrift selbst hervor¬ 
gehobenen Unsicherheiten entzogen ist. 
Sie haben aber auch die größte Sorgfalt 
darauf verwendet, den Bewohnern des Ge¬ 
bietes selbst jeden materiellen oder morali¬ 
schen Schaden zu ersparen. Ihre Interessen 
sind in jeder Hinsicht sorgfältig beachtet 
worden, und ihre Rechtslage wird verbessert 
werden. 
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