Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

Nr. 4. 
Deutsche Mantelnote vom 29. Mai 1919. 
Versailles, den 29. Mai 1919. 
Herr Präsident! 
Ich habe die Ehre, Ihnen in der Anlage die Bemerkungen 
der deutschen Delegation zu dem Entwürfe des Friedensver¬ 
trags zu überreichen. Wir waren nach Versailles in der Er¬ 
wartung gekommen, einen auf der vereinbarten Grundlage auf¬ 
gebauten Friedensvorschlag zu erhalten. Wir hatten den festen 
Willen, alles zu tun, was in unseren Kräften stand, um den 
schweren von uns übernommenen Verpflichtungen nachzukom¬ 
men. Wir hofften auf den Frieden des Rechts, den man uns 
verheißen. Wir waren entsetzt, als wir in jenem Dokument 
lasen, welche Forderungen die siegreiche Gewalt des Gegners 
an uns stellt 
Das rein deutsche Saargebiet soll von unserem Reiche gelöst 
und seine spätere Angliederung an Frankreich vorbereitet 
werden, obgleich wir Frankreich keine Menschen, sondern nur 
Kohlen schulden 
Deutschland weiß, daß es Opfer bringen muß, um zum 
Frieden zu kommen. Deutschland weiß, daß es solche Opfer 
vertragsgemäß zugesichert hat, und will darin an die äußerste 
Grenze dessen gehen, was ihm möglich ist 
In territorialen Fragen stellt sich Deutschland rückhaltlos auf 
den Boden des Wilson-Programms 
Deutschland ist bereit, die wirtschaftliche Versorgung Frank¬ 
reichs mit Kohlen, besonders aus dem Saargebiet, bis zur Wie¬ 
derherstellung der französischen Bergwerke zu sichern 
Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner aus¬ 
gezeichneten Hochachtung. 
gez. Brockdorff-Rantzau. 
An Seine Exzellenz 
den Präsidenten der Friedenskonferenz usw. 
Herrn Clemenceau. 
Nr. 5. 
Bemerkungen der deutschen Delegation zu den Friedens¬ 
bedingungen. 
Saargebiet. 
Über die Frage des Saargebiets hat bereits ein Schriftwechsel 
stattgefunden. 
Die deutsche Regierung hat mit ihren Noten vom 13. und 
lö. Mai die Hand zu einer Lösung geboten, die auf der einen 
Seite Frankreich Entschädigung für seine zerstörten Kohlen¬ 
gruben mit allen berechtigten Sicherheiten gewährt, auf der 
andern Seite es Deutschland ermöglicht, seine Zustimmung zu 
einer Regelung zu geben, die mit dem abgeschlossenen Vor¬ 
vertrag über die Grundlagen des Friedens in Einklang steht. 
')Vergl. Nr. 5. 
29
	        

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