Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

Wilson zeigte sich jedoch auch diesen Plänen gegen¬ 
über unzugänglich. Einem seiner Mitarbeiter sagte er 
damals: „Ich will Frankreich jede Art von Entschädi¬ 
gung geben, auf die es Anspruch hat, ich habe aber 
kein Recht, ihm Völker zu überantworten, die nicht zu 
ihm überzugehen wünschen, noch sie unter eine Son¬ 
derverwaltung zu stellen, falls sie es nicht haben wollen, 
selbst wenn jene für sie besser wäre.“ Demzufolge be¬ 
auftragte er seine Sachverständigen mit dem Entwurf 
einer Rechtsordnung, welche Frankreich die freie Be¬ 
nutzung der Gruben sichere, die deutsche Staatsgewalt 
aber bestehen ließe. Es war ein folgenschweres Ver¬ 
hängnis, daß die beiden Sachverständigen Haskins und 
Johnson, die den Entwurf ausarbeiteten, die grund¬ 
sätzliche Einstellung ihres Präsidenten nicht teilten und 
obendrein von ausgesprochen frankophiler Gesinnung 
waren. Ihr Gutachten, welches die Übertragung des 
Eigentums an den Kohlengruben und weiteste wirt¬ 
schaftliche Erleichterungen für Frankreich vorsah, ent¬ 
hielt überdies den Hinweis, daß „die politischen und 
administrativen Abmachungen zur Sicherung der beab¬ 
sichtigten Ergebnisse einer Prüfung unterzogen werden 
sollten.“10) In einer Sonderkommission, in der Frank¬ 
reich durch Tardieu und Aubert, England durch Headlam 
Morley und die Vereinigten Staaten durch Haskins ver¬ 
treten waren, wurde sodann die Einzelregelung der 
Übertragung des Grubeneigentums beraten. Der am 
5. April 1919 erstattete Kommissionsbericht, zu dessen 
Unterzeichnung Tardieu den englischen und amerika¬ 
nischen Unterhändler durch Berufung auf „Treu und 
Glauben“ veranlaßt hatte, enthielt am Schluß den Hin¬ 
weis, daß große Schwierigkeiten und Konflikte ent- 
anfänglich auch noch für die Zeit nach Beendigung dieser 
Sonderverwaltung Frankreich das „ewige Eigentum an den 
Gruben“ zusprechen wollte. 
10) Es ist ein bedauerliches Mißgeschick, daß der dritte 
amerikanische Sachverständige Baruch, der in seinem Gut¬ 
achten die Übereignung der Gruben an Frankreich als un¬ 
gerecht, unzweckmäßig und gefährlich verwarf und daher 
lediglich eine Verpflichtung Deutschlands zur Lieferung von 
Kohlen anempfahl, mit diesem Gutachten zu spät (am 9. April) 
fertig wurde, nachdem Wilson bereits dem anderen Gutachten 
zugestimmt und es am 31. März an Clemenceau weitergegeben 
hatte. 
12
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.