Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

regime ausgeschaltet ist. 2. Wenn die Zahl der deutschen 
Saarländer die Annexion des Gebietes durch Frankreich 
nicht zuläßt, so kann Frankreich wegen der großen 
Anzahl der im Saargebiet wohnenden Franzosen den 
Fortbestand der deutschen Herrschaft nicht dulden. Am 
29. März 1919 legten sie ihren neuen Entwurf vor. 
Darin findet sich zum erstenmal die Einbeziehung des 
Völkerbundes in die Saarfrage sowie ein befristetes 
Regierungssystem mit nachfolgender Volksabstimmung. 
Nach diesem Vorschlag sollte das Saargebiet für einen 
Zeitraum von 15 Jahren — der ursprünglich auf 20 
Jahre bemessen war — unter die Gewalt des Völker¬ 
bundes gestellt werden. Dabei sollte Frankreich vom 
Völkerbund im Wege eines Mandats die Befugnis er¬ 
halten, das Gebiet militärisch zu besetzen, die 
Aufsicht über die Lokalverwaltung zu 
führen sowie die Bürgermeister und Bei¬ 
geordneten zu ernennen.8) Für die Volksab¬ 
stimmung war ein sehr bemerkenswertes Verfahren 
ausgeklügelt: Den Saarländern sollte auf Antrag die 
französische Staatsangehörigkeit verliehen werden. So¬ 
bald die Mehrheit der Wahlberechtigten eines Kreises 
die französische Staatsangehörigkeit erworben oder ein 
Kreistag den Beschluß auf Vereinigung mit Frankreich 
gefaßt hätte, sollte die Annexion nach Genehmigung 
des Völkerbundes erfolgen. Anträge auf vorzeitige Rück¬ 
gliederung an Deutschland sollten dagegen nicht zu¬ 
lässig sein. Nach 15 Jahren sollte eine Volksabstimmung 
nur noch insoweit stattfinden, als der Anschluß an 
Frankreich nicht schon auf die genannte Weise erfolgt 
wäre. Die Gruben sollten aber in jedem Falle franzö¬ 
sisches Eigentum bleiben.9) 
8) In einem bei Miller (Band VIII, Seite 153) abgedruckten 
französischen Entwurf, dessen Datum ungewiß ist, der aber 
wohl noch vor dem oben erörterten Vorschlag verfaßt wurde, ist 
schlechthin die Rede von einem „Mandat, das Saargebiet zu 
verwalten“ („mandat d’administrer la Sarre“); dort ist auch 
die Dauer des Provisoriums noch mit 20 Jahren angegeben 
und eine Abstimmung „soit en bloc, soit par communes“ vor¬ 
gesehen. 
9) Bemerkenswert ist die Inkonsequenz, daß man die Not¬ 
wendigkeit eines Sonderregimes mit der Behauptung begrün¬ 
dete, Frankreich könne die Nutzung der Gruben nur nach 
Einrichtung einer Sonderverwaltung verwirklichen, dann aber 
11
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.