Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

wollen die Rechte der Deutschen achien, ich auch. Aber 
berücksichtigen Sie das Recht dieser Franzosen, wie 
Sie das geschichtliche Recht Böhmens und Polens zu 
berücksichtigen haben werden/4 
Mit diesem Redeschwall Clemenceaus wurde die 
Sitzung ohne weitere Beschlußfassung beendet und 
zum folgenden Tage vertagt. Die Zwischenzeit be¬ 
nutzten die französischen Unterhändler zu weiteren 
taktischen Vorbereitungen. Dabei verstanden sie mit 
ihrer erprobten advokatorischen Gewandtheit die Situ¬ 
ation ausgezeichnet zu nutzen. Die Wiederherstellung 
der Grenze von 1814 stieß auf doppelten Widerstand. 
Ihr widersprach außer Wilson auch Lloyd George, der 
für die übrigen französischen Ansprüche zu gewinnen 
war. Also ließ man jene Forderung, die man noch kurz 
zuvor als die Mindestforderung Frankreichs bezeichnet 
hatte, ohne weiteres fallen und beschränkte sich auf 
die Verfolgung der übrigen weniger anspruchsvollen 
Ziele. Damit war man der Zustimmung Lloyd Georges 
im wesentlichen sicher und hatte nur noch Wilson zum 
Gegner. Seinen Widerstand glaubte man mit hartnäckig 
und geschickt geführter Taktik allmählich überwinden 
zu können. Diese Erwartungen erwiesen sich in der 
Folgezeit leider als zutreffend. Mit der ersten Stellung¬ 
nahme, in der Wilson jede politische Sonderregelung 
prinzipiell als undiskutabel ablehnte, hatte er den recht¬ 
lich und ideell zutreffenden und unanfechtbaren Stand¬ 
punkt eingenommen. Indem er sich später aber — aller¬ 
dings nach heftigem und auch ehrlich gemeintem Wider¬ 
streben — auf die Bahn des Kompromisses abdrängen 
ließ, hatte er sein Fundament verloren und stimmte 
dann Schritt für Schritt Vertragsbestimmungen zu, die 
geradezu eine Verhöhnung seines gegebenen Wortes 
darstellen. 
Mit Geschick nahmen die Franzosen die Lösung der 
Frage von ihrer wirtschaftlichen Seite aus in 
Angriff, für die Wilson sich in etwa zugänglich gezeigt 
hatte, indem er Frankreich das Nutzungsrecht an den 
Saargruben überlassen wollte. Sie gingen dabei m i t 
zwei verschiedenartigen Argumenten auf 
das einheitliche Ziel: 1. Frankreich kann die 
Nutzung der Gruben nur dann frei verwirklichen, wenn 
die deutsche Staatsgewalt durch ein politisches Sonder¬ 
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