Full text: Wissen und Denken

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VI. Metaphysik. Das Wirkliche. 
eine klare Erfassung der Möglichkeit einer Metaphysik über¬ 
haupt von größter Bedeutung sich darüber klar zu sein, daß: 
erstens, alle Metaphysik, mag sie auch den Rahmen 
der Ordnungslehre, also in Sonderheit des ich-gehabten Er¬ 
fahrungswissens, im engeren Sinne des Wortes, sprengen, 
doch selbst nur als ich-gehabte bestehen kann, 
und daß: 
zweitens, alle Metaphysik bei ihrem Ausgang vom nqdxtQov 
nqög nämlich dem Erfabrungsinhalte im engeren Sinne 
des Wortes, diesen Erfahrungsinhalte stets als ich-gehabten 
benutzen muß. 
Metaphysik ist nichts anderes als „ Hypothesen “-Bildung 
mit bestimmtem Tone. Sie gibt nämlich dem von ihr Ge¬ 
setzten, was Erfahrung „erklären“, „mitsetzen“ soll, den Ton, 
das Seinszeichen wirklich; nur das, nur dieses in seiner 
Bedeutung geschaute Zeichen unterscheidet metaphysische 
Setzungen von Hypothesen im Bereiche des Erfahrungshaften 
selbst. Wir fordern also, sie solle das, was sie aus dem 
Bereiche des Erfahrenen „erklären“ will, stets ich-gehabt 
fassen, und sie solle sich auch klar darüber bleiben, daß sic 
ich-Losgelöstes, „Absolutes“, zwar meint, aber es doch nur 
als Ich-gehabtes hat, ja haben kann. Nur soweit es ich- 
gehabt sein kann, ist Wirkliches wißbar. Das ist 
wohl eigentlich ein selbstverständlicher Satz. Immerhin ist er 
bedeutungsvoll; schließt er doch z. B. jeden „naiven Realis¬ 
mus“ und erst recht so etwas wie Materialismus von vorn¬ 
herein aus der Reihe auch nur möglicher metaphysischer 
Lehren aus. 
Uns liegt an dieser Stelle des Ganzen aber nur an der 
Einsicht, daß auch Metaphysik allerdings den Begriff des 
Ich-hahenst aber nicht den der „Ich-Tätigkeit“ braucht, und
	        

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