Full text: Die Krise des Idealismus

sätzlichen Gewißheit der wirklich einheitlichen Exi¬ 
stenz und existentiellen Einheit dieser geschichtlichen 
Welt und von der Überzeugung eines vernünftigen 
Zusammenhanges in der Aufeinanderfolge ihrer Stu¬ 
fen, ihres Geschehens usw. Der Einheit der vernünf¬ 
tigen Auffassung entspricht die vernünftige Einheit 
des Seins. Glaubte jene Geschichtsphilosophie doch 
sogar an die durch die menschlichen Handlungen und 
ihre Entwicklung gerechtfertigte Möglichkeit, von ei¬ 
nem „vernünftigen Plan in der Geschichte“ sprechen 
zu können und zu sollen. Wenn jedoch jene Über¬ 
zeugung schwindet, und wenn zusammen mit ihr der 
Glaube an die Eintracht zwischen der Einheit der 
Vernunft und der Einheit des Seins und damit die 
Voraussetzung für die Anwendung jener Einheit auf 
die letztere verloren gehen, dann entfallen begreifli¬ 
cherweise die sachlichen Voraussetzungen für jene me¬ 
taphysische Geistes- und Geschichtssystematik. Dem 
seelisch tiefbegründeten Ringen um die Erkenntnis 
einer unerschütterlichen Welteinheit, besonders einer 
Einheit des geschichtlichen Werdens, stellt sich die 
spezialisierende und differenzierende Einsicht in die 
spannungsvolle Mannigfaltigkeit einander bedrän¬ 
gender und einander ablösender, keinem einheitli¬ 
chen Entwicklungsverlauf freie und restlose Entfal¬ 
tung gewährender Gruppen und Mächte in den Weg. 
Mit dieser Einsicht verbunden ist die Erkennt¬ 
nis, daß erst oder nur in jenem tausendfältigen Zu¬ 
sammenprall, in dessen oder mit dessen einzelnen 
Stößen die Geschichte beinahe jedesmal wieder von 
vorne zu beginnen scheint, sich die Wirklichkeit des 
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