Full text: Die Krise des Idealismus

Gebilde betrachtet, die ihrem ganzen Vt esen nach von 
der Wirklichkeit und Wahrheit abweichen bzw. ihr 
zuwiderlaufen. Aber gerade das Gegenteil stimmt. 
Auch das Märchen und die Lüge tragen eine Wirklich¬ 
keit und eine W ahrheit in sich. Das gelangt schon in 
der sprachlichen Bezeichnung zu bemerkenswerter 
Hervorhebung. Wir sprechen von einem „wahren“ 
Märchen, von einer „wahren“ Lüge. Wir vermögen 
nicht zu verstehen und uns nicht vorzustellen, was 
eine „falsche“ Lüge, was ein „falsches“ Märchen sei. 
Diese — und ähnliche — Ausdrücke sind nichts ande¬ 
res als sinnlose W ortzusammenstellungen. Ferner las¬ 
sen sich auch die Wissenschaften als Formen und Ein¬ 
richtungen für die Befriedigung unseres Wirklich- 
keitsverlangcns u. z. in intellektueller und theoreti¬ 
scher Gestalt auffassen. Wir werten sie nicht bloß 
nach dem Grade der Gewißheit, in dem sie uns die 
Wirklichkeit erkennen lassen, sondern auch nach ih¬ 
rer stofflichen Ergiebigkeit, nach der Fülle und Ei¬ 
genart dessen, was sie uns von der Wirklichkeit und 
als was sie uns die Wirklichkeit zeigen. 
Aber diese Realitätsgier, diese« ganz schlicht und 
ganz natürlich und in seiner vollen Kräftigkeit aufzu¬ 
nehmende Verlangen nach Realität muß durch die¬ 
jenige Antwort, die der Idealismus auf die Frage nach 
dem Wesen der Wirklichkeit erteilt» enttäuscht sein. 
Wir berufen uns in dieser Hinsicht einfach auf die 
Empfindung des philosophisch nicht vorgebildeten 
Menschen als des Vertreters des sog. gesunden Men¬ 
schenverstandes. Wenn er die idealistische Antwort 
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