Full text: Die Krise des Idealismus

Leistung schließt den Verzicht auf ihre geschichtliche 
Geltung in sich. Vollzieht sie ihn dann und wann, 
um möglichst nichts anderes als objektive Welter¬ 
kenntnis zu sein, dann muß sie aus der Tiefe ihres 
eigenen Wesens, aus der Idee der Kritik und aus der 
Kritik der Idee heraus den Stab über eine solche „Vor¬ 
urteilslosigkeit“ brechen. Sie beschwört alsdann über 
einen solchen Standpunkt und über die aus ihm sich 
ableitende Richtung die Krise herauf als eine Not¬ 
wendigkeit, die ihr Recht aus dem unaufgebbaren und 
unaufhebbaren Recht der Freiheit der Philosophie 
zur Kritik an allem Seienden und mithin auch an sich 
selber zieht. Sie muß es, und sie tut es. Auch sich 
selber steht sie mit der heiligen Verpflichtung zur 
Freiheit und Kritik gegenüber. Damit trägt sie doch 
in und aus sich selber die Verpflichtung und das Recht 
zur Krise über sich. 
Und durch diese Haltung der Kritik, der kriti¬ 
schen Verantwortlichkeit, der kritischen Freiheit, 
durch die Haltung des Gewissens gelangen diejenigen 
Krisen zur Entladung, die ihren inneren Grund in der 
unendlichen Selbsthewegung des philosophischen 
Denkens, in seiner tiefen und schöpferischen Unzu¬ 
friedenheit mit seinen Anstrengungen und Ergebnis¬ 
sen besitzen. Wenn es angebracht wäre, dem Denken 
überhaupt den Charakter des Heroischen nachzusa¬ 
gen, und wenn nicht das Verständnis für die Proble¬ 
matik dieses Begriffes und der ihm entsprechenden 
Willensweise eine gewisse Zurückhaltung bei seinem 
— leider viel zu häufigen und leichtfertigen, wie Was¬ 
ser oder Sand ausgestreuten — Gebrauch gebieten 
4 A. Liebert. Die Krise d. Idealismus. 
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