Full text: Die Krise des Idealismus

dert, weil es. um mit Spinoza zu sprechen, zu den nie¬ 
derziehenden Leidenschaften gehört, so verfällt der 
Gegenstand, der den Anlaß und Ausgang für dieses 
Gefühl darstellt, der Geringschätzung. Damit aber 
ist die Krise über ihn hereingebrochen. 
c) Diese Krise ist jedoch noch aus einem dritten 
Grunde unausbleiblich. Die Menschen hängen aus 
mehr als einem Grunde an einer sie innerlich befrie¬ 
digenden Beantwortung jener Fragen nach dem We¬ 
sen der Wirklichkeit und der Wahrheit. Es sind für 
sie Wertfragen im höchsten und tiefsten Sinne. Das 
ergibt sich vor allem daraus, daß das „wahre“ Wesen 
der Wirklichkeit und der Wahrheit nur Gott als dem 
höchsten Gut und Wert zuerkannt wird. Die Reali- 
täts- und die Wahrheitsfrage sind nur dann angemes¬ 
sen zu verstehen, wenn sie von der religiösen Haltung 
aus und als religiöse Forderung begriffen werden. 
Die Unbedingtheit dieser Haltung und dieser Forde¬ 
rung macht aber ein Umgehen oder eine Abschwä¬ 
chung und Vereinseitigung dieser Fragen u. z. etwa so, 
daß die Wirklichkeit als abhängig von dem System 
logischer Formen oder als eine Setzung des Denkens 
und seiner Kategorien angesehen und von hier aus ins 
Auge gefaßt wird, einfach unmöglich. Das heißt: 
Der Mensch will eine volle Antwort auf jene Fragen 
haben. Es ist dabei nötig, diesen Willen in seiner 
ganzen und umfassenden Bedeutung zu nehmen. Em¬ 
pirisch-biologische Willensbewegungen sind hier eben¬ 
so im Spiele wie moralisch-normative und religi¬ 
öse. Ein Hauptteil des menschlichen Seins und Wer¬ 
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