Volltext: Die Krise des Idealismus

trauen zu belassen, widerspräche dem unendlichen 
Aktivismus der idealistischen Einstellung. Der Idea¬ 
lismus beruht, um es noch einmal zu sagen, auf der 
Absolutheit einer doppelten Forderung, auf der, die 
er gegen die Realität erhebt, und auf der, die er ge¬ 
gen sich erhebt. Diese Forderungen stellen keinen 
theoretischen, keinen papiernen Einspruch dar. Denn 
der Idealismus ist eine Macht von stärkstem Leben, so 
stark, wie es überhaupt nur eine lebendige Macht 
sein kann. Indem er seine Forderungen zur Tat wer¬ 
den läßt, offenbart er den Willen zur Krise, bejaht 
die Krise. Sie ist ihm die Form der Verwirklichung 
des Geistes und damit das Gesetz, durch das der 
Geist seine Kraft und seinen Reichtum und die Un¬ 
endlichkeit seines Wesens bewährt. 
Der Idealismus lehrt die schöpferische Unbedingl- 
heit des Geistes. Aber damit lehrt er die Not¬ 
wendigkeit und das Recht, die Wich¬ 
tigkeit und die Fruchtbarkeit der Kri- 
s e. Und weil er selber jenes Schöpfertum des Geistes 
immerfort ins Spiel bringt, weil er von jenem Schöp¬ 
fertum aus alles Gegebene betrachtet und bewertet, 
prüft und bearbeitet, so ist er selber in seinem We¬ 
sen und in seiner tatsächlichen geschichtlichen Wirk¬ 
samkeit ein glänzender und überzeugen¬ 
der Beleg für die schöpferische Macht 
derKrise. 
Von einer Krise des Idealismus sprechen, das 
heißt also nicht, das Nahen seines Zusammenbruches 
Voraussagen, das heißt nicht, seine bereits vor sich ge¬ 
hende Tilgung oder sein bevorstehendes Ausscheiden 
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