Full text: Die Krise des Idealismus

düng und Rechtfertigung? Das kann begreiflicher¬ 
weise der Realismus angesichts seiner Zuwendung zur 
Wirklichkeit nicht tun. Seine Kraft ist durch die 
Rücksicht auf die Fülle der Gegebenheiten in An¬ 
spruch genommen. Sobald er diese Fülle binden und 
vereinheitlichen will, stützt und beruft er sich in und 
mit dieser Tätigkeit auf die synthetische Kraft desGei- 
stes. Ob er es ausspricht oder nicht: Mit dieser Stüt¬ 
zung und Berufung vollzieht er die unerläßliche Wen¬ 
dung zu einer idealistischen Wirklichkeitsauffassung. 
Denn die Eigentümlichkeit des Idealismus besteht in 
einer Hinsicht darin, die Grundlegung und Sicherung 
der Wirklichkeit durch jene synthetische Kraft zu 
beglaubigen und den Nachweis dafür zu führen, daß 
ohne diese Systematisierung und Synthetik von einer 
Wirklichkeit weder im Ganzen noch in ihren Ein¬ 
zelheiten mit Vernunft gesprochen werden kann. 
Jede Aussage, auch die geringste, über das Wirk¬ 
lichsein irgendeiner Erscheinung ist von jener Ver¬ 
nunftsystematik abhängig, u, z. schon deshalb weil so¬ 
gar von einer „Gegebenheit überhaupt“ oder von der 
thelische Funktion der Vernunft wirksam ist. Ist aber 
gar von einer „Gegebenheit überhaupt“ oder von dar 
„Wirklichkeit“ die Rede, dann bedarf es keiner lan¬ 
gen Überlegung, auch nicht für den philosophisch 
nur wenig Geschulten, um in derartigen Behauptun¬ 
gen die synthetische Arbeit der Vernunft zu gewah¬ 
ren. Sind doch alle derartigen Begriffe in ihrem We¬ 
sen und in ihrer Geltung allgemeinste Konstruktions¬ 
formen, d. h. sie sind „Ideen“. Als Ideen aber sind sie 
Geschöpfe der unendlichen Produktivität des Geistes. 
13 A. Liehert. Dip Krise d. Idealismus. 
193
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.