Full text: Die Krise des Idealismus

und zwingender Anlaß zugrundeliegen. Denn wie 
vermag die Philosophie ihre erste und nächste Auf* 
gäbe zu erfüllen, die darin besteht, eine einheitliche 
Erkenntnis der Vielheit des Seins zu gewinnen, ohne 
die Anwendung der synthetischen und der systemati¬ 
sierenden Bewußtseinsformen und ohne ihre Zusam¬ 
menfassung unter die höchste systematische Einheit, 
nämlich in der und unter die Einheit der Vernunft? 
In der Tat: Das Recht zur Systematik und die 
Ausübung dieses Rechtes mit Hilfe einer konstrukti¬ 
ven Methode verneinen oder preisgeben, das bedeu¬ 
tet, die Vernunft aus dem Spiele lassen wollen. Denn 
die Vernunft ist das höchste und entscheidende Eini- 
gungs- und Einheitsvermögen des Menschen. In ihr 
wirkt sich die „synthetische4- Kraft des Geistes über¬ 
haupt aus. Wie schon ohne die bindende Vernunft 
keine einzelne Wissenschaft in Angriff genommen und 
aufgehaut werden kann, so ganz besonders nicht die 
Philosophie als die W issenschaft der Wissenschaften. 
Selbst da, wo sie sich zu einer rein zergliedernden Ar¬ 
beit anschickt, bedarf sie der Synthese für die Durch¬ 
führung der Analyse, falls die letztere nicht ins We¬ 
senlose zerflattem und in ihren Vereinzelungen sich 
verlieren soll. Eine Analyse kann ihre Fruchtbarkeit 
nur unter der Führung durch eine übergeordnete Sy¬ 
stematik entfalten. Die W ahrheit dieser Gedanken 
ist allzu offenbar, als daß noch eine weitere Ausfüh¬ 
rung erforderlich wäre. 
Wer aber vertritt in philosophischer Hinsicht den 
Gedanken der Systematik? Wer ferner verleiht die¬ 
sen Gedanken die notwendige philosophische Begrün¬ 
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